Welche Behandlung bei Brustkrebs notwendig ist, hängt von der Art des Tumors ab. Nach Biopsie und weiteren Untersuchungen wird die Therapie individuell festgelegt. Möglich sind OP, Bestrahlung sowie Antihormon- und/oder Chemotherapie. Ziel ist eine möglichst wirksame Behandlung mit möglichst geringen Nebenwirkungen. (cfr)
Ich, 55, habe die Diagnose Brustkrebs bekommen. Wie sieht der Ablauf meiner Behandlung aus? Und was kommt in den kommenden Wochen und Monaten auf mich zu?
«Nach der Diagnose laden wir die Patientin zunächst zu einem ausführlichen Gespräch ins Brust Zentrum ein. Dabei erklären wir ihr genau, um welche Art von Brustkrebs es sich handelt und welche Behandlungsmöglichkeiten infrage kommen. Denn Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs. Es gibt verschiedene Tumorarten, die unterschiedlich behandelt werden. Eine Biopsie und weitere Untersuchungen liefern uns die notwendigen Informationen, um den Tumor möglichst genau einzuordnen. Unser Ziel ist eine individuell auf die Patientin und ihren Tumor zugeschnittene Therapie. Wir setzen gezielt jene Therapien ein, von denen wir wissen, dass der jeweilige Tumor darauf ansprechen wird. Grundsätzlich stehen verschiedene Behandlungsformen zur Verfügung. Wann immer möglich, versuchen wir, die Brust zu erhalten. In der Regel folgt auf eine brusterhaltende Operation eine Bestrahlung. Hinsichtlich der Heilungschancen ist dieses Vorgehen ebenso erfolgreich wie eine Entfernung der Brust. Zusätzlich zur Operation und Strahlentherapie kommt je nach Tumor eine Antihormon- und/oder Chemotherapie zum Einsatz. Unser Ziel ist immer, den Tumor so wirksam wie möglich zu behandeln und gleichzeitig unnötige Therapien und Nebenwirkungen zu vermeiden », sagt PD Dr. Nik Hauser, Facharzt Gynäkologie und Leiter des Brust Zentrums in der Hirslanden Klinik Aarau.
Jede achte Frau ist betroffen
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In der Schweiz erkrankt etwa jede achte Frau im Laufe ihres Lebens daran. Weshalb die Zahl der Erkrankungen zunimmt, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Die höhere Lebenserwartung dürfte ebenso eine Rolle spielen wie möglicherweise Umwelt- und Ernährungsfaktoren. Gleichzeitig gibt es gute Nachrichten: Brustkrebs lässt sich heute wesentlich gezielter behandeln als noch vor einigen Jahrzehnten. Die Sterblichkeit ist gesunken, die Heilungschancen sind gestiegen. Wird ein Tumor früh entdeckt und hat er noch nicht gestreut, können heute über 90 Prozent der betroffenen Frauen geheilt werden. Auch bei bestimmten aggressiven Brustkrebsarten haben moderne Medikamente die Prognose deutlich verbessert. Eine familiäre Vorbelastung spielt dabei eine kleinere Rolle, als häufig angenommen wird. Rund 15 Prozent der Erkrankungen haben einen familiären Zusammenhang. Entscheidend ist, in welchem Alter Angehörige erkrankt sind und ob mehrere Familienmitglieder betroffen sind. Aufmerksam sollte man werden, wenn die Mutter bereits in jungen Jahren Brustkrebs hatte. Bei Verdacht auf ein erhöhtes, vererbliches Risiko kann eine genetische Beratung im Brust Zentrum Klarheit schaffen.
Brust regelmässig abtasten
Wichtig ist, die eigene Brust zu kennen. Frauen sollten sie einmal im Monat vor dem Spiegel betrachten und auch abtasten. Auffällige Veränderungen wie Rötungen, Einziehungen, verdickte Haut oder eine schuppige Brustwarze sollten ärztlich abgeklärt werden. 70 Prozent der Veränderungen werden von den Betroffenen selbst bemerkt. Dabei gilt: nicht aus Angst oder Scham abwarten, sondern handeln. Nicht jede Auffälligkeit bedeutet Brustkrebs – Gewissheit bringt jedoch nur eine Abklärung. Eine Erkrankung kann neben körperlichen auch psychische Folgen haben. Wie stark diese sind, unterscheidet sich von Frau zu Frau. Deshalb begleitet das Brust Zentrum Patientinnen über die medizinische Behandlung hinaus. Breast Care Nurses, Sozialdienst, Physiotherapie, onkologische Rehabilitation und Psychoonkologie unterstützen Betroffene und ihre Familien. Das Brust Zentrum dient dabei als zentrale Anlaufstelle.