Wenn Hüftbeschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, sollten sie ärztlich abgeklärt werden. Konservative Therapiemassnahmen werden immer als Erstes in Betracht gezogen. Wenn die alternativen Therapien ausgeschöpft sind, nicht mehr die gewünschte Linderung bringen und der Leidensdruck hoch ist, kann eine Operation die Lösung sein. (cfr)
Ich bin 60 Jahre alt und leide seit einigen Wochen unter Schmerzen der rechten Hüfte, die zunehmend stärker werden. Welche Möglichkeiten gibt es, um diese Beschwerden gezielt abzuklären und zu behandeln?
Am Anfang jeder Abklärung steht das Gespräch. Dabei wird geklärt, ob es einen konkreten Auslöser gibt – etwa einen Unfall bei einer sportlichen Aktivität. Auch ungewohnte Belastungen wie eine längere Wanderung können Beschwerden verursachen. Entscheidend ist zudem, wann und unter welchen Bedingungen die Schmerzen auftreten. Ein wichtiger Punkt ist, ob es sich um degenerative Veränderungen handelt, die mit zunehmendem Alter häufiger werden. Gleichzeitig müssen andere Ursachen ausgeschlossen werden, etwa Schleimbeutelentzündungen, Beschwerden von Sehnen, Bändern oder Durchblutungsstörungen sowie Probleme an der Lendenwirbelsäule.
Bestehen die Schmerzen länger oder nehmen sie zu, sollte dies abgeklärt werden – auch, um andere Erkrankungen auszuschliessen. Nach der Anamnese folgen körperliche Untersuchungen: Beweglichkeit, Gangbild und Tests der Hüfte helfen, die Ursache einzugrenzen. Typische Bewegungsmuster wie Beugen, Strecken und Innen-/Aussenrotation werden durchgeführt, um die Schmerzen zu lokalisieren. Zusätzlich kommen bildgebende Verfahren wie Röntgen oder MRT zum Einsatz.
Konservative Massnahmen sind immer der erste Behandlungsschritt. Dazu gehören Physiotherapie, Kräftigungsübungen und gelenkschonende Bewegung. Besonders geeignet sind Schwimmen, Velofahren, Walking oder Spazieren. Ergänzend können Schmerzmittel eingesetzt werden. Wenn diese Massnahmen nicht ausreichen, kommen Infiltrationen ins Hüftgelenk infrage – etwa mit Kortison, Hyaluronsäure oder im Rahmen einer Eigenbluttherapie (PRP). Erst wenn alle Alternativen ausgeschöpft sind, wird eine Operation in Betracht gezogen.
Bei einer Hüftgelenksarthrose zählen heute Hüftprothesenoperationen zu den erfolgreichsten Eingriffen der Orthopädie. Moderne Prothesen halten zuverlässig über 25 Jahre. Viele Patienten können nach zwei bis drei Tagen nach Hause zurückkehren, gefolgt von einer ambulanten Physiotherapie Manchmal ist auch der Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik angezeigt. Sie dürfen sich für eine Abklärung jederzeit über Ihre Hausarztpraxis an Ortho Aarau, unser Zentrum für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie an der Hirslanden Klinik Aarau, überweisen lassen», sagt Dr. med. Daniel Baunach, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates.
Was sind die häufigsten Ursachen?
Ab 60 Jahren häuft sich Arthrose als Ursache für Hüftschmerzen. Wer in der Jugend Verletzungen im Hüftbereich hatte oder als Leistungssportler allgemein einer vermehrten Belastung ausgesetzt war, bei dem ist das Risiko für frühere Hüftbeschwerden erhöht.
Ausserdem können Beschwerden aus der Verbindung zwischen Hüfte und Wirbelsäule entstehen. Auch Fehlstellungen bei jungen Menschen mit Einklemmungserscheinungen gilt es abzuklären. Klassische Hüftschmerzen äussern sind als Leistenschmerzen, seitliche Hüftschmerzen oder Gesässschmerzen. Männer scheinen im Allgemeinen die einhergehenden Bewegungseinschränkungen besser zu tolerieren als Frauen.
Kann man vorbeugen?
«Ein grosses Thema, das mir am Herzen liegt. Erkrankungen sollten möglichst früh erkannt oder verhindert werden», sagt Dr. Baunach. Mit der «Surgery 3.0» zielen wir bei Ortho Aarau genau darauf ab: Prävention statt Reparatur unter Berücksichtigung individueller Risikofaktoren und der Nutzung von spezialisierter Diagnostik.
Nichtsdestotrotz kann jeder selbst seinen Beitrag zur Prävention leisten. Ein gesunder Lebensstil ist zentral: regelmässige Bewegung, ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung mit regionalen Produkten. Wichtig ist auch, Übergewicht zu vermeiden. Fettgewebe wirkt nicht nur belastend auf die Gelenke, sondern ist hormonell aktiv und kann entzündliche Prozesse fördern, die zahlreiche Erkrankungen begünstigen.