Ein Knoten in der Schilddrüse kann sowohl gut- als auch bösartig sein. Mithilfe von Bluttest und Ultraschall wird geprüft, ob ein Malignitätsrisiko vorliegt. Je nach Diagnose kommt auch eine Feinnadelpunktion zum Einsatz. Aufgrund der Ergebnisse wird das weitere Vorgehen besprochen. Nicht jeder Knoten muss zwingend operiert werden. (cfr)
Bei mir (w, 45) wurde im Ultraschall ein Knoten in der Schilddrüse entdeckt, der operativ entfernt werden soll. Ist eine solche Operation zu empfehlen und wenn ja, wie läuft sie ab?
«Schilddrüsenknoten sind häufig, und nicht jeder Schilddrüsenknoten muss operiert werden. Mit einer strukturierten Diagnostik und Risikoabschätzung wird die Therapie heute individuell auf Patientinnen und Patienten zugeschnitten. Zunächst prüfen wir Form und Durchblutung des Knotens im Ultraschall. Mit der TI-RADS-Klassifikation wird das Risiko einer bösartigen Veränderung (Malignitätsrisiko) eingeschätzt. Je nach Einstufung folgt eine Feinnadelpunktion. Mit einer sehr dünnen Nadel wird Zellgewebe entnommen und mikroskopisch untersucht. Krebszellen lassen sich so direkt finden oder das Risiko für ihr Vorliegen noch exakter bestimmen. Ist das Risiko gering, kann der Knoten mit dem Ultraschall regelmässig kontrolliert werden. Manche Betroffenen möchten nicht ständig an ihre Schilddrüse denken und wählen die Operation für eine eindeutige Klärung. Eine Szintigrafie wird dann ergänzt, wenn eine Veränderung der Hormone vorliegt, etwa bei einer Überfunktion. Dabei zeigt sich, wie aktiv einzelne Bereiche der Schilddrüse arbeiten. «Heisse» Knoten produzieren selbstständig zu viel Hormone, «kalte» sind inaktiv und haben ein höheres Malignitätsrisiko.
Beschränken sich Knoten auf eine Schilddrüsenseite, wird zunächst nur diese entfernt. In erfahrenen Händen ist das eine sichere Methode mit einem geringen Risiko. Die klassische Operation erfolgt über einen kurzen Schnitt am Hals. Moderne Verfahren helfen, den empfindlichen Stimmbandnerv und die Nebenschilddrüsenkörperchen zu schonen und Nachblutungen zu vermeiden. Nach dem Eingriff bleiben Betroffene zwei Nächte im Spital. Das Gewebe wird mikroskopisch und molekular-genetisch untersucht. Dabei wird abgeklärt, ob der Befund bösartig ist und wie er sich verhält. Bei aggressiven Tumoren ist eine vollständige Entfernung der Schilddrüse angezeigt, häufig gefolgt von einer Radiojodtherapie. Hierfür werden radioaktiv markierte Jodmoleküle über die Vene verabreicht, die verbliebene Krebszellen im Blut und in Lymphknoten gezielt zerstören. Die meisten Schilddrüsen-Tumore (differenzierte Karzinome) sind heilbar. Für eine vertiefte Abklärung suchen Sie bitte einen Spezialisten auf», sagt Dr. med. Martina Pabst, Fachärztin Chirurgie, spez. Viszeralchirurgie.
Welche Aufgabe hat die Schilddrüse?
Die Schilddrüsenhormone steuern praktisch alle Körperfunktionen. «Man kann sie vereinfacht mit einem Gaspedal vergleichen: Produziert sie zu viele Hormone, läuft der Körper auf Hochtouren – Betroffene werden unruhig und schwitzen, verlieren Gewicht und das Herz schlägt schnell. Werden zu wenig Hormone gebildet, treten Müdigkeit, Haarausfall oder Gewichtszunahme auf», sagt Dr. Pabst. Das Problem: Hormone sind ein komplexes Regelwerk und viele Beschwerden sind unspezifisch. Halten Symptome längere Zeit an, empfehle ich die Ursache abklären zu lassen. Auch die Veranlagung spielt eine Rolle: Schilddrüsenerkrankungen können familiär gehäuft auftreten.
Welche Schilddrüsenerkrankung ist verbreitet? «Zu den häufigsten Erkrankungen der Schilddrüsenfunktion zählt Hashimoto, eine chronische Autoimmunerkrankung mit Unterfunktion», sagt Dr. Pabst. Dabei greift das Immunsystem die Schilddrüse an. Anfangs kann kurzzeitig sogar eine Überfunktion auftreten. Fehlende Hormone müssen dauerhaft mit Medikamenten ersetzt werden.
Wann ist eine OP nötig?
Eine Operation wird vor allem empfohlen, wenn Untersuchungen auf bösartige Veränderungen hinweisen oder ein Befund unklar ist. Weitere Gründe sind grosse Schilddrüsen mit Schluck- oder Druckbeschwerden und die mit Medikamenten nicht beherrschbare Überfunktion bei Morbus Basedow, einer Autoimmunerkrankung. Hier insbesondere dann, wenn zusätzlich Augenprobleme auftreten. Auch kosmetische Gründe spielen eine Rolle. Vorbeugen ist besser als heilen: Mit jodhaltigem Salz kann man vorbeugen
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