Ein auffälliger Mammografie-Befund bedeutet nicht automatisch Brustkrebs. Er zeigt zunächst, dass eine Stelle genauer abgeklärt werden muss. Meist folgen Zusatzaufnahmen und Ultraschall, MRT oder Gewebeprobe bei Bedarf. Die meisten Rückrufe bzw. deren Ergebnisse erweisen sich als gutartig; dies sorgt rasch für Klarheit. (cfr)

Was bedeutet ein auffälliger Mammographie-Befund für mich als 55-jährige Frau, und welche Schritte stehen bis zur endgültigen Diagnose noch bevor?

«Der Befund der Mammographie ist auffällig»: Für viele Frauen löst dieser Satz grosse Verunsicherung aus. Sofort kreisen die Gedanken um Brustkrebs, Operation oder Chemotherapie. Diese Angst ist verständlich. Wichtig ist aber: Ein auffälliger Befund bedeutet nicht automatisch eine bösartige Erkrankung. Er heisst zunächst nur, dass eine Stelle genauer beurteilt werden muss. Die nächsten Schritte sind klar strukturiert. Häufig folgen gezielte Zusatzaufnahmen der Mammographie und eine Ultraschalluntersuchung, bei Bedarf auch eine Magnetresonanztomographie (MRT). Ziel ist es, rasch Klarheit zu schaffen. Erst wenn sich eine Veränderung in der Bildgebung nicht sicher als gutartig einordnen lässt, wird eine Gewebeprobe entnommen. Die Bildgebung kann sehr viel zeigen. Ob eine Veränderung gut- oder bösartig ist, lässt sich im Zweifel aber erst mit der Gewebeprobe zuverlässig klären. Für eine vertiefte Abklärung dürfen Sie sich gerne an uns überweisen lassen, sagt Dr. med. Marek Brendel, Facharzt für Radiologie und medizinischer Leiter der Swiss Medical Imaging AG bei der Hirslanden Klinik Aarau.

Regelmässige Screenings sind sinnvoll

Seit Juli läuft im Kanton Aargau das organisierte Mammographie-Screening. Die Stiftung Clario übernimmt die zentrale Organisation. Frauen zwischen 50 und 74 Jahren werden künftig alle zwei Jahre automatisch angeschrieben und eingeladen. «Immer wieder werde ich gefragt, ob eine regelmässige Mammographie überhaupt notwendig sei. Ich frage meine Patientinnen dann: ‹Würden Sie wissen wollen, ob Brustkrebs in einem frühen Stadium vorliegt, und würden Sie ihn behandeln lassen? › Wenn beide Antworten Ja lauten, spricht dies klar für die Teilnahme.» Das Screening kann Tumoren entdecken, bevor Beschwerden auftreten. Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto besser sind meist Behandlungsmöglichkeiten und Heilungschancen.

Die Zahlen machen Mut. Von 1000 Frauen, die an einem Mammographie-Screening teilnehmen, werden rund 50 für zusätzliche Abklärungen aufgeboten. Bei den meisten stellt sich der Verdacht als gutartig heraus – etwa als Zyste oder Gewebeveränderung. Nur bei wenigen Frauen wird Brustkrebs festgestellt. Ein Rückruf ist deshalb kein Urteil, sondern Teil eines Sicherheitsnetzes. In der Regel liegt spätestens nach acht Arbeitstagen eine klare Beurteilung vor. 

Warum ist das Screening unangenehm?

IViele Frauen sorgen sich vor der Untersuchung selbst, vor der Strahlung und dem Zusammendrücken der Brust. «Es ist definitiv kein Wellness-Termin», sagt Dr. Brendel. Die Brust muss für wenige Sekunden komprimiert werden. Nur so entstehen scharfe Bilder bei möglichst geringer Strahlenbelastung. Moderne digitale Mammographiegeräte arbeiten mit einer sehr niedrigen Dosis; der Nutzen der Früherkennung überwiegt das damit verbundene Risiko deutlich. Das Screening ersetzt jedoch nicht die eigene Aufmerksamkeit. Wer einen tastbaren Knoten, eine Hauteinziehung, eine veränderte Brustwarze, Hautveränderungen oder blutige Sekretion bemerkt, sollte nicht bis zur nächsten Vorsorgeuntersuchung warten, sondern sich rasch gynäkologisch untersuchen lassen.

Die Rolle der Gene

IEine familiäre Vorbelastung sollte immer angesprochen werden. «Besonders aufmerksam werden wir, wenn nahe Verwandte bereits in jungen Jahren an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt sind. Rein genetische Ursachen sind allerdings selten; bei den meisten Erkrankungen spielen andere Faktoren eine grössere Rolle», betont Dr. Brendel. Auch künstliche Intelligenz unterstützt heute die Auswertung der Mammographien. Die endgültige Beurteilung bleibt jedoch eine ärztliche Entscheidung. Die wichtigste Botschaft von Dr. Brendel an alle Frauen: «Bleiben Sie nicht aus Angst zu Hause. Wenn Sie zu weiteren Abklärungen eingeladen werden, bedeutet das noch lange nicht, dass Sie Brustkrebs haben. Sie werden medizinisch und menschlich Schritt für Schritt begleitet.»