Man kann einen Herzinfarkt nicht verhindern, aber das Risiko deutlich senken. Entscheidend sind die Kontrolle von Blutdruck, Cholesterin und Diabetes sowie der Verzicht auf Rauchen. Bei plötzlichem Brustdruck gilt: sofort den Notruf wählen. Je schneller behandelt wird, desto grösser die Chance, bleibende Schäden am Herzmuskel zu vermeiden. (cfr)

Kann ich (w, 63) einen Herzinfarkt verhindern oder ist das grundsätzlich nicht möglich? Und wenn nein, was kann ich konkret tun, um mein persönliches Risiko zumindest deutlich zu senken?

«Ein Herzinfarkt lässt sich nicht verhindern. Aber sein Risiko lässt sich reduzieren. Wundermittel gibt es keine, auch wenn viele Patientinnen und Patienten darauf hoffen. Ziel ist es, bekannte Risikofaktoren konsequent zu behandeln: Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes und erhöhte Cholesterinwerte gehören zu den wichtigsten. Auch genetische Veranlagung und das Alter spielen eine Rolle. Wer familiär vorbelastet ist oder mehrere dieser Faktoren aufweist, trägt ein deutlich erhöhtes Risiko. Stress oder Schlafmangel allein lösen keinen Herzinfarkt aus – sie können jedoch indirekt Bluthochdruck begünstigen oder ungesunde Lebens gewohnheiten fördern und so das Risiko erhöhen. Prävention bedeutet deshalb, beeinflussbare Faktoren früh zu erkennen und medizinisch begleiten zu lassen. Tritt plötzlich ein starker Druck auf der Brust auf, zählt jede Minute. Ein Herzinfarkt muss so schnell wie möglich behandelt werden. Die Diagnose ist jedoch nicht immer eindeutig, da auch eine Lungenembolie oder andere Erkrankungen ähnliche Symptome verursachen können. Deshalb wird bei akuten Thoraxschmerzen innert zehn Minuten ein EKG geschrieben: beim Hausarzt, durch den Rettungsdienst oder auf der Notfallstation. Das ist Zeitstandard», sagt Dr. med. Igal Moarof, Kardiologe der Kardiologie Mittelland an der Hirslanden Klinik Aarau. Bestätigt sich der Verdacht, greifen internationale Vorgaben: Das verschlossene Gefäss muss innerhalb einer Stunde im Herzkatheterlabor geöffnet werden. Bleibt das EKG unauffällig, folgen weitere Tests und eine Blutanalyse, um die Ursache einzugrenzen.

Gleiche Symptome bei Frauen und Männern?

«Teilweise. Männer berichten häufiger über den klassischen, massiven Brustdruck. Frauen klagen öfter über Luftnot, Druck im Bauch oder Schmerzen in Armen und Rücken. Dennoch können die Beschwerden bei beiden Geschlechtern identisch sein», erklärt Dr. Moarof. Gerade bei Frauen werde ein Herzinfarkt deshalb manchmal später erkannt. Umso wichtiger sei es, Warnsignale ernst zu nehmen. Auch die Abgrenzung zur Panikattacke ist für Laien schwierig. Herzrasen, Engegefühl in der Brust oder Atemnot können in beiden Situationen auftreten. Wer bereits einen Herzinfarkt hatte, deutet ähnliche Symptome verständlicherweise rasch als erneuten Notfall. Doch nicht jedes Herzklopfen bedeutet einen Gefässverschluss. «Trotzdem gilt: Im Zweifel lieber einmal zu viel in die Notaufnahme», betont der Kardiologe. Mitunter sendet der Körper im Vorfeld Warnzeichen. Verengen sich Herzkranzgefässe vorübergehend und öffnen sich wieder, verspüren Betroffene manchmal einen leichten Druck hinter dem Brustbein, häufig unter Belastung. Viele schenken diesen Symptomen wenig Beachtung. Solche Episoden können sich wiederholen, bis sich ein Gefäss ganz verschliesst. Später zeigen Untersuchungen Vernarbungen am Herzmuskel – Hinweise auf einen «stillen» Infarkt. Möglich ist jedoch auch ein akutes Ereignis ohne Vorwarnung. 

Wann also den Notruf wählen?

Im Zweifel immer sofort. Wer sich selbst auf den Weg zum Arzt macht, riskiert im schlimmsten Fall unterwegs einen Herzstillstand. Wird die betroffene Person bewusstlos und atmet unregelmässig, muss mit der Wiederbelebung begonnen werden. Ist sie bei Bewusstsein, gilt: nicht allein lassen, beruhigen und auf den Rettungsdienst warten. Kommt es zum Herzinfarkt, ist das Team auf dem Notfall vorbereitet. Das verschlossene Gefäss wird mittels Ballonkatheter wieder geöffnet, häufig wird ein Stent eingesetzt. Danach folgt die Überwachung auf der Intensivstation. Nach drei bis fünf Tagen können die Betroffenen nach Hause. Anschliessend beginnt die kardiologische Rehabilitation. Die Kardiologie Mittelland stellt mit sieben Spezialisten die Versorgung rund um die Uhr in der Hirslanden Klinik Aarau sicher.