Bei Prostatakrebs hängt die Therapie vom Tumorstadium, dem Aggressivitätsgrad des Tumors sowie vom Alter und Gesundheitszustand des Patienten ab. Man unterscheidet grob zwei Gruppen von Patienten: diejenigen mit einem auf die Prostata begrenzten Tumorwachstum und Patienten mit einem fortgeschrittenen Tumorstadium, wo bereits Ableger vorliegen. (cfr)

Bei mir (64 J.) wurde Prostatakrebs diagnostiziert. Die Therapiewahl ist noch offen. Über dieses Ratgebergefäss würde ich gerne mehr zu den verschiedenen Therapieformen erfahren.

«Eine Therapie hängt vom Tumorstadium, dem Aggressivitätsgrad des Tumors sowie vom Alter und Gesundheitszustand des Patienten ab. Man unterscheidet grob zwei Gruppen von Patienten: diejenigen mit einem auf die Prostata begrenztem Tumorwachstum und Patienten mit einem fortgeschrittenen Tumorstadium, wo bereits Ableger vorliegen. Es gibt folgende Therapieformen: 1. Die aktive Überwachung wird bei wenig aggressiven und auf die Prostata lokal begrenzten Tumoren durchgeführt, wobei der Prostatakrebs engmaschig überwacht und erst beim Fortschreiten des Tumors aktiv behandelt wird. 2. Unter der radikalen Prostatektomie versteht man die operative vollständige Entfernung der Prostata, die oft mittels minimalinvasiver Robotertechnik (Da Vinci) erfolgt. 3. Bei der Strahlentherapie kann man zwei Arten von Therapien unterscheiden: die perkutane Strahlentherapie von aussen durch die Haut und die Brachytherapie, bei der die Strahlenquellen (radioaktive Stäbchen) direkt unter Narkose in die Prostata eingebracht werden. Die weiteren Therapieformen, wie eine Hormontherapie (Senkung des Testosteronspiegels), Chemotherapie oder Radionuklidtherapien, sind für fortgeschrittene Prostatakrebs Erkrankungen vorgesehen. Sie dürfen sich gerne für eine Abklärung über Ihren Hausarzt an unser Urologie Zentrum bei der Hirslanden Klinik Aarau wenden», sagt Dr. med. Martin C. Schumacher.

Wann wird welche Methode angewandt?

Beim wenig aggressiven Prostatakrebs wird heute eine aktive Überwachung empfohlen. In festgelegten Abständen erfolgen PSA-Tests, ggf. Tastuntersuchungen der Prostata und eine Magnetresonanz (MRI)-Untersuchung der Prostata. Je nach Situation werden erneut Gewebeproben aus der Prostata entnommen, um den Aggressivitätsgrad des Tumors zu überprüfen. Das Ziel dieser Behandlungsstrategie ist, unnötige Behandlungen und deren potenzielle Nebenwirkungen wie Urininkontinenz oder Erektionsstörungen zu vermeiden. Bei fortgeschritteneren und aggressiveren Prostatakarzinom-Erkrankungen empfiehlt sich je nach Gesundheitszustand und Alter eine operative Entfernung der Prostata oder eine externe Radiotherapie in Kombination mit einer Hormontherapie.

Beim Heilungsprozess bei einer operativen Entfernung der Prostata sollte sich innert weniger Wochen eine gute Kontinenz einstellen. Beckenbodentrainingsübungen sind hilfreich. Bei der Radiotherapie und der Brachytherapie ist das Vorliegen einer Urininkontinenz eher selten und kommt eher im Sinne einer Dranginkontinenz zustande. Die Brachytherapie gilt im Vergleich zur radikalen Prostataoperation oft als potenzschonender, kann aber dennoch zu Erektionsstörungen führen.

Sind Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll?

Unter Früherkennung versteht man die Durchführung eines Bluttestes, den sogenannten PSA-Test (prostataspezifisches Antigen). Grundsätzlich empfiehlt sich eine Früherkennung bei Männern ab dem 45. Lebensjahr. Das Ziel ist, den Krebs in einem frühen Stadium zu erkennen, da oft keine Symptome vorliegen. Je nach Höhe des PSA-Wertes werden die Intervalle im Verlauf entsprechend festgelegt.

Prostatakrebs ist der häufigste Krebs beim Mann. In der Schweiz erkranken jedes Jahr rund 7800 Männer. Der Prostatakrebs stellt eine Alterserkrankung dar, vor dem 50. Lebensjahr tritt er selten auf.

Wann soll man den Arzt aufsuchen?

Hellhörig sollte man sein bei häufigem Wasserlösen, schwachem Harnstrahl, ungenügender Blasenentleerung, Blut im Urin oder Sperma sowie unklaren Rücken-Becken-Schmerzen und einer ungewollten Gewichtsabnahme. 

Kann man selbst vorbeugen?

Das Wichtigste sind ein gesunder Lebensstil mit regelmässiger körperlicher Aktivität sowie eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse und wenig rotem Fleisch. Übergewicht, Rauchen und Alkohol vermeiden.

Dr. med. Martin C. Schumacher
Dr. med. Martin C. Schumacher
Urologie FMH, speziell operative Urologie
Urologie Zentrum

Zentrum für Urologie
Schänisweg 5000 Aarau Schweiz