Das Schädel-Hirn-Trauma (SHT) bezeichnet eine durch äussere Gewalteinwirkung verursachte Verletzung des Kopfes mit Beteiligung des Gehirns, die zu einer vorübergehenden oder dauerhaften Beeinträchtigung der Hirnfunktion führen kann. Das Ausmass eines Schädel-Hirn-Traumas kann stark variieren, wobei Verletzungen des Knochens, der Kopfhaut sowie der Hirnhäute von eigentlichen Hirnverletzungen unterschieden werden. Behandlungsmöglichkeiten für Patientinnen und Patienten umfassen sowohl konservative therapeutische als auch operative Massnahmen.

Schädel-Hirn-Trauma

Überblick

Das Hirn ist durch den Schädelknochen grundsätzlich gut geschützt. Dennoch kann es bei heftiger Gewalteinwirkung auf den Kopf zu einer Schädigung des Hirns kommen.

Bei einer Verletzung der Kopfregion kommen zwei Ursachen infrage:

Direkte Schädigung des Hirns durch Gewalteinwirkung: Bei einer Verletzung der Schädeldecke mit Eröffnung des Schädelinneren sprechen Medizinerinnen und Mediziner von einem offenen Schädel-Hirn-Trauma. Schwere direkte Schädel-Hirn-Verletzungen können bleibende Schäden verursachen. Liegt eine solche Verletzung vor, steigt die Infektionsgefahr für das Gehirn sowie die umgebenden Strukturen.

Indirekte Schädigung des Hirns als Folge von Gewalteinwirkungen: Dazu gehören beispielsweise Blutungen und Ödeme. Eine indirekte Schädigung des Gehirns kann in ihrem Ausmass oft reduziert werden, sofern frühzeitig geeignete therapeutische Massnahmen eingeleitet werden.

Ausprägung eines Schädel-Hirn-Traumas

Wie stark ein Schädel-Hirn-Trauma ausgeprägt ist, kann anhand eines erreichten Punktwerts auf der Glasgow Coma Scale (GCS) bestimmt werden. Bei der Glasgow Coma Scale handelt es sich um ein Bewertungsschema für Bewusstseins- und Hirnfunktionsstörungen nach einem Schädel-Hirn-Trauma, das 1974 an der Universität Glasgow von den beiden Neurochirurgen Graham Teasdale und Bryan J. Jennett entwickelt wurde.

Abhängig vom Schweregrad einer Hirnschädigung kann es zu unterschiedlichen Beschwerden kommen. Ein schweres Schädel-Hirn-Trauma kann lebensbedrohlich sein und gehört zu den häufigsten Ursachen für schwere neurologische Beeinträchtigungen.

Bei besonders schwerwiegenden Fällen eines Schädel-Hirn-Traumas ist ein intensives Rehabilitationsprogramm notwendig. Unter Umständen müssen grundlegende Funktionen wie Gehen oder Sprechen wieder erlernt werden. Häufig treten nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma auch Spätfolgen in Form von neurologischen Defiziten bei Patientinnen und Patienten auf.

Schweregrad eines Schädel-Hirn-Traumas im Überblick

Die folgende Übersicht fasst die drei Schweregrade eines Schädel-Hirn-Traumas anhand des GCS-Scores, der typischen Verletzung und der Behandlung zusammen.

Grad

GCS-Score

Verletzung

Behandlung

SHT 1. Grades13–15 Punkte

Gehirnerschütterung (Commotio cerebri); in der Regel keine dauerhaften strukturellen Hirnschäden

Überwachung über 48–72 Stunden zum Ausschluss von HWS-/Gesichtsschädelfrakturen und intrakraniellen Blutungen; in der Regel keine spezielle Therapie nötig

SHT 2. Grades9–12 Punkte

Gehirnprellung (Contusio cerebri); Verletzung der Hirnsubstanz, meist durch direkte Gewalteinwirkung

Überwachung über 48–72 Stunden zum Ausschluss von HWS-/Gesichtsschädelfrakturen und intrakraniellen Blutungen; in der Regel keine spezielle Therapie nötig

SHT 3. Grades

3–8 Punkte

Gehirnquetschung (Compressio cerebri); durch intrakranielle Drucksteigerung (Hirnblutung, Hirnödem) oder direkte VerletzungenIntensivmedizinische Behandlung, häufig künstliches Koma; bei Bedarf neurochirurgische Eingriffe (Blutungsentfernung, Entlastungskraniektomie); Hirndruckmessung mittels Sonde

GCS = Glasgow Coma Scale. HWS = Halswirbelsäule.

Schädel-Hirn-Trauma-Ursachen

Verkehrsunfälle, Arbeitsunfälle, Haushalts- und Sportunfälle sind die häufigsten Ursachen für ein Schädel-Hirn-Trauma. Seltener kommen nebst Stürzen auch Schläge auf den Kopf sowie Schussverletzungen als Ursache infrage.

Symptome eines Schädel-Hirn-Traumas nach Schweregrad

Bei einem Schädel-Hirn-Trauma treten, abhängig vom Schweregrad und der Art der Verletzung, unterschiedliche Symptome bei Betroffenen auf. Die folgende Übersicht zeigt, welche Symptome bei einem Schädel-Hirn-Trauma je nach Schweregrad auftreten können.

Grad

Symptome
SHT 1. Grades

Gehirnerschütterung. Mögliche Symptome:

  • Kurze Bewusstlosigkeit (meist nur wenige Sekunden bis Minuten)
  • Benommenheit nach dem Erwachen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Schwindel
  • Sehstörungen
  • Erinnerungslücken rund um das Ereignis (retrograde oder anterograde Amnesie)

SHT 2. Grades

Symptome wie beim 1. Grad, jedoch dauert die primäre Bewusstlosigkeit länger als 15 Minuten an.

SHT 3. Grades

Symptome wie beim 1. und 2. Grad, jedoch hält die primäre Bewusstlosigkeit Tage oder gar Wochen an. Bei einem schweren SHT zusätzlich möglich:

  • Sprachstörungen
  • Gefühlsstörungen
  • Lähmungen
  • Epileptische Anfälle

Die Beschwerden können unmittelbar nach der Verletzung auftreten oder sich erst innerhalb von mehreren Stunden oder Tagen entwickeln.

Äussere Verletzungen

Können bei jedem Grad begleitend auftreten:

  • Blutung aus Kopfverletzungen
  • Schwellung
  • Austritt von Blut oder Hirnwasser aus Nase oder Gehörgang

Wie läuft die Diagnose eines Schädel-Hirn-Traumas ab?

Um den Schweregrad der Hirnschädigung festzustellen, werden verschiedene Abklärungen durchgeführt. Zunächst ist eine neurologische Untersuchung nötig. Insbesondere bei bewusstlosen Patienten werden darüber hinaus radiologische Untersuchungen durchgeführt, wie:

Dank dieser Verfahren wird das Ausmass der Verletzung rasch und zuverlässig deutlich.

Behandlung

Leichtgradige Verletzungen

Eine Verletzung des Kopfes eines Betroffenen muss nicht zwingend mit einer Blutung oder einer neurologischen Schädigung einhergehen. Dennoch sollte auch bei scheinbar harmlosen Verletzungen eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Fallen Schädel-Hirn-Verletzungen leichtgradig aus, ist keine spezielle Therapie nötig. Dennoch werden Patientinnen und Patienten, abhängig vom Befund und den individuellen Risikofaktoren, über einen Zeitraum von 48 bis 72 Stunden überwacht, bevor sie schliesslich wieder nach Hause entlassen werden.

Bei der Gehirnerschütterung handelt es sich um die leichteste Form des SHT. Hier finden Sie weiterführende Informationen zur Behandlung einer Gehirnerschütterung.

Schwere Verletzungen

Liegt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma vor, werden Patientinnen und Patienten häufig in einem künstlichen Koma gehalten, um ihr Gehirn zu schonen. Treten bei Betroffenen schwere Hirnverletzungen mit Hirnblutungen auf, ist meist eine neurochirurgische Blutungsentfernung nötig. In gewissen Fällen müssen auch Teile des Schädelknochens entfernt und das Gehirn für einige Zeit offen gehalten werden, um dem lebensgefährlichen Druckanstieg im Gehirn entgegenzuwirken.

Schwere Verletzungen können auch mit einem erhöhten Hirndruck einhergehen. Bei Verdacht auf einen erhöhten Hirndruck kommen Sonden zur Druck-Messung zum Einsatz, die wichtige Informationen für die Behandlung und Überwachung der Patientinnen und Patienten liefern. Je nach Ursache und Situation kommen darüber hinaus verschiedene medikamentöse und intensivmedizinische Massnahmen zum Einsatz.

Prävention

Ein Schädel-Hirn-Trauma lässt sich nicht immer verhindern, dennoch kann das Risiko, ein SHT zu erleiden, durch geeignete Schutzmassnahmen deutlich reduziert werden. Durch das Tragen eines Helms beim Velo-, Motorrad- oder Wintersport können Verletzungen des Schädels verhindert und schwerwiegende Folgen eines SHT vermieden werden. Auch die Verwendung eines Sicherheitsgurts im Auto sowie eine sichere Umgebung helfen, Unfälle und Stürze zu verhindern.

FAQ

Wie lässt sich einem Schädel-Hirn-Trauma vorbeugen?

Teilweise kann ein Schädel-Hirn-Trauma beispielsweise durch das Tragen von Sicherheitsgurten oder eines Helms verhindert werden. Besonders im Sport und Verkehr helfen Schutzmassnahmen, das Risiko für schwerwiegende Folgen, darunter neurologische Störungen, Blutungen oder starke Kopfschmerzen zu reduzieren.

Hat man bei einem Schädel-Hirn-Trauma Gedächtnisprobleme?

Ja, Gedächtnisprobleme können bei einem Schädel-Hirn-Trauma auftreten. Besonders nach stärkeren Verletzungen kann es zu Erinnerungs- oder Konzentrationsstörungen kommen. Diese Beschwerden können sich im Verlauf verbessern und werden bei Bedarf therapeutisch begleitet.

Welche Schädel-Hirn-Trauma-Folgen können auftreten?

Die Art der Schädel-Hirn-Trauma-Folgen hängt vom Schweregrad der Verletzung ab. Häufige Beschwerden sind Kopfschmerzen, Schwindel oder Konzentrationsprobleme. Bei einem schweren Schädel-Hirn-Trauma können auch neurologische Ausfälle oder dauerhafte Einschränkungen auftreten.

Was sind Schädel-Hirn-Trauma-Spätfolgen?

Schädel-Hirn-Trauma-Spätfolgen können auch nach der akuten Behandlung auftreten. Dazu gehören unter anderem Gedächtnisstörungen, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder Veränderungen der Beweglichkeit. Eine gezielte Therapie und Rehabilitation können die Genesung in einem solchen Fall unterstützen.

Wann können Patientinnen und Patienten nach einem Schädel-Hirn-Trauma wieder Sport treiben?

Nach einem Schädel-Hirn-Trauma sollte die Rückkehr zum Sport langsam und abhängig von den Beschwerden erfolgen. Erst wenn Symptome wie etwa Kopfschmerzen oder Schwindel abgeklungen sind, kann die Belastung schrittweise gesteigert werden. Der Wiedereinstieg in den Sport sollte immer in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt erfolgen, um Risiken zu vermeiden und die Belastung individuell richtig einzuschätzen.

Wie lange krankgeschrieben bei Schädel-Hirn-Trauma?

Die Dauer der Krankschreibung nach einem Schädel-Hirn-Trauma hängt vom Schweregrad und den individuellen Beschwerden ab. Bei einem Schädel-Hirn-Trauma 1. Grades ist die Erholungszeit oft kürzer, während bei schwerwiegenderen Verletzungen eine längere Genesungszeit nötig sein kann.

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