Bei der Tuberkulose handelt es sich um eine bakterielle Infektionskrankheit, die über Tröpfcheninfektion, also durch das Einatmen erregerhaltiger Tröpfchen in der Atemluft, übertragen wird. Der Erreger befällt am häufigsten die Lungen, darüber hinaus aber auch weitere Organe. Bei früher Diagnose ist Tuberkulose in der Regel gut behandelbar, unbehandelt oder in schweren Verläufen kann sie jedoch zum Tod führen. Informationen zu Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten finden Sie hier.
Die Tuberkulose im Überblick
Bei der Tuberkulose (kurz Tbc oder Tb) handelt es sich um eine ansteckende Infektionskrankheit, die durch Bakterien aus der Familie der Mykobakterien verursacht wird. Bis zur Entdeckung des Mycobacterium tuberculosis durch Robert Koch im Jahr 1905 war die damals als Schwindsucht bezeichnete Tuberkulose eine weit verbreitete und gefürchtete Krankheit.
Allein in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts starben über 20 % der Erkrankten an Tuberkulose. Erst die Entwicklung eines Impfstoffs, verbesserte Lebensumstände und die Einführung einer Antibiotika-Kombinationstherapie führten schliesslich dazu, dass die Verbreitung dieser Infektionskrankheit in der westlichen Welt stark zurückging.
Trotz medizinischer Fortschritte, neuer Medikamente, Untersuchungen und Therapien konnte die Tuberkulose weltweit niemals gänzlich verdrängt werden. In den letzten Jahren ist die Anzahl der Tuberkulose-Fälle erneut angestiegen. Dass die Erkrankung wieder auf dem Vormarsch ist, kann auf die Ausbreitung gewisser gegen Tuberkulose-Medikamente resistente Tuberkulosestämme zurückgeführt werden. Auch weltweite Migrationsbewegungen tragen zum Anstieg von Tuberkulose-Fällen bei.
Formen der Tuberkulose
Primärtuberkulose
Bei einer Primärtuberkulose entwickelt sich aus der Erstinfektion ein Primärkomplex, sprich ein örtlicher, tuberkulöser Entzündungsherd mit Beteiligung regionaler Lymphknoten. Meist werden diese Entzündungsherde langsam vom Immunsystem eingeschlossen. Dabei bilden sich kleine, knötchenförmige Gebilde, sogenannte Tuberkel.
Lungentuberkulose (Pulmonale Tuberkulose)
Die meisten Menschen bringen Tuberkulose mit der Lungenerkrankung Lungentuberkulose in Zusammenhang. Das hat damit zu tun, dass rund 70 % der an Tuberkulose erkrankten Patientinnen und Patienten von Lungentuberkulose betroffen sind. Tuberkulose hat jedoch viele Gesichter: Es gibt mehrere Formen, die abhängig vom Krankheitsstadium und vom Verlauf voneinander unterschieden werden können. Grundsätzlich wird zwischen der Lungentuberkulose und der Organtuberkulose (extrapulmonale Tuberkulose) unterschieden.
Extrapulmonale Tuberkulose
Als extrapulmonale Tuberkulose wird Tuberkulose verstanden, die ausserhalb der Lunge zu Symptomen führt. Zwar ist meistens die Lunge von Tuberkulose betroffen, es gibt weltweit jedoch viele unterschiedliche extrapulmonale Tuberkulose-Formen, die allein oder gemeinsam mit einer Lungentuberkulose auftreten können.
Zu den extrapulmonalen Tuberkulose-Formen zählen unter anderem:
- Gelenk- und Knochentuberkulose
- Lymphknotentuberkulose
- Urogenitaltuberkulose
- Tuberkulose des zentralen Nervensystems
- Tuberkulose im Bauchraum
Latente Tuberkulose (Latente tuberkulöse Infektion)
Bei neun von zehn infizierten Menschen bleibt eine Tuberkulose-Infektion das ganze Leben lang latent, das heisst, sie weisen keinerlei Tuberkulose-Symptome auf. Erst eine Schwächung des Immunsystems kann bei latenter Tuberkulose dazu führen, dass die Krankheit ausbricht.
Bricht die Krankheit aus, wird aus der latenten Tuberkulose eine aktive Tuberkulose, bei der sich Bakterien vermehren, Symptome verursacht werden und die Krankheit auf andere Personen übertragen werden kann.
Bei Patientinnen und Patienten mit einem intakten Immunsystem ist die latente Tuberkulose (latente tuberkulöse Infektion) daher die häufigste Krankheitsform. Eine latente Tuberkulose kann auch noch Monate oder gar Jahre später ausbrechen.
Häufigkeit und Alter
Während in Europa hauptsächlich Erwachsene und selten Kinder von Tuberkulose betroffen sind, erkranken in Ländern, die eine hohe Tbc-Rate aufweisen, oft Kinder. Am stärksten von Tuberkulose betroffen sind asiatische Länder sowie südafrikanische Länder. In der Schweiz treten die meisten Tuberkulose-Erkrankungen laut BAG bei Personen auf, die aus Ländern mit hoher Tuberkulose-Verbreitung stammen.
Allein in der Schweiz kommt es pro Jahr zu rund 550 Erkrankungen. Dabei ist der Umstand, dass eine einmalige Erkrankung an Tuberkulose nicht zu einer Immunität führt, besonders gravierend. Eine Ansteckung mit Tuberkulose kann immer wieder auftreten, wobei Kleinkinder und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem besonders gefährdet sind.
Ursachen von Tuberkulose
Tuberkulose wird durch Bakterien aus der Familie der Mykobakterien verursacht. Zwar sind die meisten der insgesamt 160 verschiedenen Mykobakterien für Menschen harmlos, gewisse Arten wie etwa das Mycobacterium M. tuberculosis können hingegen zu einer Tuberkulose führen.
Eine Übertragung des Erregers findet beinahe ausschliesslich aerogen, also über die Luft statt: Beim Husten oder Sprechen mit einer Person mit Atemwegstuberkulose werden kleinste Bronchial-Sekret-Tröpfchen freigesetzt. Werden diese eingeatmet, können sie eine Infektion verursachen. Je höher die Zahl der eingeatmeten Bakterien, desto wahrscheinlicher wird eine Ansteckung (Infektion).
Wichtig: Lediglich 5-10% aller Angesteckten entwickeln im Verlauf ihres Lebens eine aktive Tuberkulose. Es führt also nicht jede Ansteckung automatisch zu einer aktiven Erkrankung.
Gelangen Tbc-Bakterien in den Körper eines Menschen, kann das Immunsystem diese auf unterschiedliche Arten bekämpfen.
Gelingt es dem Immunsystem nicht, die Tbc-Bakterien erfolgreich zu bekämpfen, kann es zu einer Tuberkulose kommen.
Symptome
Wenn die Tuberkuloseherde einen direkten Anschluss an die Bronchien haben, wird dies als „offene Tuberkulose“ bezeichnet. Können Tuberkulosebakterien im Auswurf nachgewiesen werden, ist eine Übertragung der Erkrankung von infizierten Personen auf andere Menschen möglich. Es besteht also Ansteckungsgefahr.
Symptome der Primärtuberkulose
Die Primärtuberkulose verursacht in vielen Fällen keine Beschwerden. Falls dennoch Symptome einer Tuberkulose auftreten, sind diese häufig nicht spezifisch, was bedeutet, dass sie oft mit anderen Krankheiten wie beispielsweise einer Grippe in Verbindung gebracht werden. Zu diesen Symptomen zählen:
- schlechtes Allgemeinbefinden
- Schwäche
- Müdigkeit
- vermehrtes Schwitzen (insbesondere nachts)
- Eingeschränkte Leistungsfähigkeit
- Leichtes Fieber
- Appetitverlust
- unbeabsichtigte Gewichtsabnahme
Symptome der Lungentuberkulose (Pulmonale Tuberkulose)
Tuberkulose verläuft meist langsam und die Ausprägung möglicher Symptome ist zunächst schwach. Auch Lungentuberkulose führt zu Beginn der Infektionskrankheit nur zu wenig Beschwerden. Mit fortschreitender Erkrankung treten die typischen Symptome auf, die auch für viele weitere Lungenerkrankungen typisch sind. Dazu zählen:
Hinweis: Jeder Husten, der länger als drei Wochen dauert, sollte durch eine Ärztin oder einen Arzt medizinisch abgeklärt werden. Husten ohne bekannte Ursache oder blutiger Auswurf bedarf zwingend ärztlicher Abklärung.
Symptome der Organtuberkulose (Extrapulmonale Tuberkulose)
Nicht nur die Symptome einer Lungentuberkulose, sondern auch jene einer Organtuberkulose entwickeln sich schleichend und sind zu Beginn der Erkrankung unspezifisch, was die Diagnose erschwert. Je nach betroffenem Organ können unterschiedliche Symptome auftreten. Organbezogene Beschwerden können Hinweise dafür liefern, um welche Form der Tuberkulose es sich handelt. Unter anderem können die folgenden Beschwerden auftreten:
- Bei Haut- und Lymphknoten-Tuberkulose: Verdickungen, Knötchen und andere Hautveränderungen
- Bei Darm-Tuberkulose: Magen-Darm-Beschwerden
- Bei tuberkulöser Hirnhautentzündung (Meningitis): Übelkeit, Erbrechen, steifer Nacken
Diagnose
Was die Diagnose betrifft, sieht sich die Pneumologie in gewissen Fällen mit einer Schwierigkeit konfrontiert: Die Diagnose einer Tuberkulose ist beim Erkrankungsbeginn nur schwierig zu stellen, da die Tuberkulose-Symptome erst schwach ausgeprägt sind und denjenigen anderer Erkrankungen stark gleichen.
Zur Diagnose einer Tuberkulose werden verschiedene Abklärungen und Untersuchungen durchgeführt. Zunächst findet eine Anamnese, sprich eine gezielte Befragung der Patientin oder des Patienten zur Krankengeschichte statt. Die Patientenbefragung hat zum Ziel, die Ursachen ihrer Beschwerden zu ermitteln und Grundlagen für Diagnose und die Behandlung zu schaffen.
In gewissen Fällen kann, abhängig von der Form der Tuberkulose, eine Bronchoskopie mit Entnahme einer Gewebeprobe notwendig werden. Des Weiteren können Röntgenaufnahmen und Blutuntersuchungen zur Diagnose hinzugezogen werden.
Damit eine sichere Diagnose gestellt werden kann, müssen die Tbc-Erreger mit einem Labortest nachgewiesen werden. Für Laboruntersuchungen werden Speichelproben, Urinproben, Blutproben oder andere Körperflüssigkeiten oder -gewebe wie etwa Hautproben benötigt. Insbesondere bei latenter Tuberkulose dient ein positiver Tuberkulose-Test meist als einziger verlässlicher Nachweis, da latente Tuberkulose keinerlei Symptome verursacht.
Behandlung von Tuberkulose
Tuberkulose gehört zu den meldepflichtigen Infektionskrankheiten. Wenn das Immunsystem einer Person geschwächt ist oder die Tuberkulose über einen zu grossen Zeitraum unerkannt bleibt, ist der Verlauf nicht günstig. Ohne Behandlung kann die Erkrankung gar tödlich enden. Erfolgt hingegen eine frühzeitige Diagnose und eine ausreichend lange Therapie, stehen die Chancen auf ein Ausheilen der Tuberkulose ohne bleibende Schäden gut.
Tuberkulose wird üblicherweise durch die Gabe von Antibiotika behandelt. Diese medikamentöse Behandlung dauert mindestens sechs Monate, wobei der Behandlungserfolg in regelmässigen Abständen geprüft wird. Betroffene werden zu Beginn der Behandlung isoliert, bis sie nicht mehr ansteckend sind. Patientinnen und Patienten, die sich seit mindestens zwei Wochen in Tuberkulose-Behandlung befinden, gelten als nicht mehr ansteckend.
Reichen Medikamente nicht zur Behandlung aus, ist ein chirurgischer Eingriff nötig. Eine Operation kommt dann infrage, wenn Teile der Lunge auf Dauer zerstört sind, wenn sich Kavernen (grössere Hohlräume im Lungengewebe) gebildet haben, die sich nicht zurückbilden oder wenn Komplikationen in anderen Organen durch Tuberkuloseherde verursacht werden. In jedem dieser Fälle entscheidet ein spezialisiertes Ärzteteam, ob eine Operation angebracht ist oder nicht.
Behandlung von latenter Tuberkulose
Ist Tuberkulose latent, verursacht sie keine Symptome und ist nicht ansteckend. Das Risiko einer Reaktivierung der Tuberkulose kann jedoch durch eine präventive, medikamentöse Behandlung gesenkt werden. Das Ziel dieser Behandlung besteht darin, die im Körper verbleibenden Bakterien zu eliminieren.
Praevention
Der Schutz vor einer Tuberkulose-Infektion ist durch konsequenten Kontaktverzicht mit an Tuberkulose erkrankten Menschen möglich. Dies ist jedoch nur schwierig umzusetzen, insbesondere, da Tuberkulose-Symptome im Alltag selten als solche erkannt werden.
Eine weitere Möglichkeit, sich gegen Tuberkulose zu schützen, besteht in einer Tuberkulose-Schutzimpfung. Diese wird in der Schweiz jedoch nur noch für Ausnahmefälle empfohlen, etwa vor der Auswanderung in ein Land mit hohen Tuberkuloseraten oder aber bei Neugeborenen und Säuglingen, die jünger als 12 Monate sind und ein hohes Ansteckungsrisiko durch einen Herkunftsbezug zu Ländern mit hoher Tuberkulose-Belastung haben.
Ist Tuberkulose gefährlich?
Ja, unbehandelt und in besonders schwerwiegenden Fällen kann Tuberkulose zum Tod führen. Bei der Tuberkulose handelt es sich noch immer um die bakterielle Infektionskrankheit, die am häufigsten einen tödlichen Verlauf nimmt.
Ist Tuberkulose heilbar?
Ja, Tuberkulose ist heilbar. Mit einer gezielten Therapie mit Antibiotika können die Bakterien, welche die Erkrankung verursachen, vollständig eliminiert werden. Meist ist eine aktive Behandlung über mehrere Wochen notwendig.
Wie sieht die Haut bei Tuberkulose aus?
Tuberkulose betrifft meist die Lungen. Seltener kann es bei einer Form der Organtuberkulose auch zu Hautveränderungen kommen. Es können beispielsweise kleine Knötchen auf der Haut auftreten.
Kann man unbemerkt Tuberkulose haben?
Ja, viele Menschen tragen den Erreger Mycobacterium tuberculosis in sich, ohne Symptomen aufzuweisen. Es infiziert sich rund ein Viertel der Weltbevölkerung im Verlauf des Lebens mit Tuberkulose-Bakterien. Die Krankheit bricht jedoch nicht bei allen aus. Bei 90-95 % aller Infizierten bleibt die Infektion lebenslang latent, sprich ohne Tuberkulose-Symptome. Erst eine Schwächung des Immunsystems führt in solchen Fällen zum Ausbruch der Krankheit.
Wird in der Schweiz gegen Tuberkulose geimpft?
In der Schweiz wird die Impfung gegen Tuberkulose unterdessen nicht mehr routinemässig durchgeführt. Sie erfolgt nur in ausgewählten Fällen für Personen mit erhöhtem Risiko.
Kann Tuberkulose von selbst ausheilen?
Nein, Tuberkulose heilt in der Regel nicht von selbst aus. Ohne Behandlung kann die Erkrankung chronisch werden, weitere Organe betreffen und sogar zum Tod führen. Eine ärztliche Diagnose und Therapie sind daher unerlässlich.
Zentren 11
-
LungenZentrum Klinik St. Anna
St. Anna-Strasse 32 6006 Luzern -
Hirslanden OPERA St.Gallen
7.00 - 18.00
Samstag und Sonntag geschlossen
Telefonzeiten
8.30 - 17.00