Bei Herpes handelt es sich um eine Infektionskrankheit, welche unter anderem durch die weit verbreiteten Herpes-simplex-Viren HSV-1 und HSV-2 verursacht wird. Tückisch ist, dass einmal Infizierte das Virus lebenslang in sich tragen, denn die Herpesviren schlummern nach einer Erstinfektion in Wirtszellen des Körpers und können durch unterschiedliche Faktoren wie etwa ein geschwächtes Immunsystem, Stress oder fortgeschrittenes Alter wieder aktiviert werden. Auf diesem Weg können sie schwerwiegende Erkrankungen auslösen. Erfahren Sie hier mehr zu Ursachen, Symptomen und Behandlungen von Herpes.
Überblick über Herpes
Neun der 200 Herpesviren können beim Menschen eine Vielzahl von Krankheiten verursachen und betreffen Menschen jeden Alters. Tatsächlich tragen Schätzungen zufolge mehr als zwei Drittel der Bevölkerung Herpesviren in sich, in vielen Fällen sogar ohne es zu wissen. Dies rührt daher, dass diese Viren nach einer meist unbemerkten, sprich symptomlosen Erstinfektion im Körper verbleiben und in einem Zustand verharren, in dem sie keine neuen Viren bilden.
Kommt es zu einer Schwächung des Immunsystems, wird das Virus reaktiviert, beginnt sich zu vermehren und führt schliesslich zu Krankheitssymptomen. Es hängt also auch vom Zustand des jeweiligen Immunsystems ab, ob Herpes ausbricht oder nicht. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, dass eine (Re)aktivierung von Herpes auch unbemerkt für eine betroffene Person erfolgt. Dennoch vermehrt sich das Virus auch in einem solchen Fall und wird ausgeschieden, wodurch es leicht auf weitere Menschen übertragen und weitere Infektionen auslösen kann.
Schätzungen zufolge kann davon ausgegangen werden, dass etwa 70% der Schweizer Bevölkerung das HSV-1 Virus in sich trägt und etwa 20% das HSV-2 Virus. Die Ansteckung mit dem HSV-1 Virus erfolgt oft schon im Kindesalter, während das HSV-2 Virus vor allem über sexuelle Kontakte übertragen wird.
Ein besonderes Risiko für eine Infektion durch Herpesviren besteht für Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, Schwangere sowie Menschen, die von chronischem Stress betroffen sind. Weitere speziell gefährdete Menschen sind Patientinnen und Patienten mit Immunschwächekrankheiten wie HIV/AIDS oder Menschen, deren Immunsystem medikamentös unterdrückt wird, vor allem Transplantationspatientinnen und -patienten.
Formen der Herpes-Viren
Es gibt sehr viele unterschiedliche Herpes-Viren. Der vorliegende Beitrag ist insbesondere den Herpes-simplex-Viren und der dadurch verursachten Herpes-simplex-Infektion gewidmet. Nebst den Herpes-simplex-Viren gehört aber zum Beispiel auch das Varizella-Zoster-Virus, das Windpocken und Gürtelrose verursacht, zu den Herpes-Viren oder aber das Epstein-Barr-Virus, die Ursache des Pfeifferschen Drüsenfiebers.
Folgende Herpesvirus-Infektionen sind beim Menschen unter anderem bekannt:
- Gewisse Arten von Krebs ausgelöst durch Herpesvirus 8
- Gürtelrose ausgelöst durch den Varizella-Zoster-Virus
- Windpocken ausgelöst durch das Varizella-Zoster-Virus
- Pfeiffersches Drüsenfieber ausgelöst durch das Epstein-Barr-Virus oder das Zytomegalie-Virus
- Lippenherpes ausgelöst durch Herpesvirus 1 und seltener 2 (HSV-1 und HSV-2)
- Genitalherpes ausgelöst durch Herpesvirus 2 und seltener 1 (HSV-2 und HSV-1)
Das Herpes-simplex-Virus
Beim Herpes-simplex-Virus (HSV) handelt es sich um ein weitverbreitetes Virus, das in zwei Typen unterteilt wird: HSV-1 und HSV-2. Herpes-simplex-Viren verursachen oft Infektionen von Haut, Mund, Lippen, Genitalien und Augen. Grundsätzlich können beide Virustypen sowohl Genital- als auch Lippenherpes (Herpes genitalis und Herpes labialis) aber auch Augen- oder Nasenherpes verursachen.
Schwere Infektionen, die durch Herpes-simplex-Viren ausgelöst werden, sind beispielsweise Meningitis, Enzephalitis oder neonataler Herpes. Da weder gegen das HSV-1 noch gegen HSV-2 wirksame Impfungen existieren, zielt eine Therapie dieser Virentypen auf die Symptomlinderung ab.
Herpes-simplex-Virus: HSV-1
Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt bei rund zwei Dritteln der Weltbevölkerung eine Infektion mit HSV-1 vor. Es handelt sich entsprechend um eine weit verbreitete Virusinfektion. Der Herpes-simplex-Virus-Typ 1 führt in den meisten Fällen zu Lippenherpes (Herpes labialis) und wird insbesondere durch direkten Kontakt mit infizierten Personen, hauptsächlich durch den Speichel dieser Personen und durch das Küssen erkrankter Menschen verursacht. HSV-1 führt schliesslich zu Bläschenbildung im Bereich der Lippen.
Herpes-simplex-Virus: HSV-2
Das Herpes-simplex-Virus des zweiten Typs verursacht hauptsächlich Genitalherpes, und verbreitet sich vor allem durch sexuelle Kontakte. HSV-2 führt zu Läsionen und Bläschenbildungen im Genitalbereich, die äussert schmerzhaft sein können. Wenn Sie von Genitalherpes betroffen sind, sollten Sie diesen immer ärztlich behandeln lassen.
Ursachen
Es gibt mehrere Auslöser, die einer Herpesinfektion zugrunde liegen können. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Faktoren, die entweder zu einer Schwächung oder Belastung des Immunsystems führen.
Die Herpes-simplex-Viren verhalten sich die meiste Zeit über ruhig im Körper und verursachen keine Beschwerden. Bestimmte Situationen können jedoch eine Aktivierung der Viren mit einem Herpes-Ausbruch verursachen. Dazu gehören:
- Verletzungen: Sowohl Verletzungen als auch Reizungen, die beispielsweise durch Operationen oder Zahnbehandlungen zustande kommen, können die Reaktivierung von Herpesviren auslösen.
- Stress: Sowohl physischer als auch psychischer Stress kann das Immunsystem belasten und somit eine Herpeserkrankung verursachen.
- Schwächung des Immunsystems: Nebst Stress können auch Medikamente, wie etwa Immunsuppressiva, Krankheiten oder eine allgemein bestehende Immunabwehrschwäche zur Reaktivierung von Herpesviren führen.
- Fieber: Das Virus kann durch hohe Temperaturen, etwa bei einer Erkältung oder Grippe reaktiviert werden.
- UV-Strahlung: Intensive Sonnenbestrahlung oder Sonnenbrand können eine Ursache der Aktivierung des Virus sein. Das trifft insbesondere bei Lippenherpes zu.
- Hormonelle Veränderungen: Hormonschwankungen können insbesondere bei Frauen Herpes auslösen.
Obwohl Herpesviren durch eine Vielzahl von Faktoren reaktiviert werden können, ist ein bestimmter Grund für den Herpes-Ausbruch nicht immer ersichtlich. Abhängig vom Typ der Herpesviren kommen verschiedene Übertragungswege infrage. Oft werden diese Viren über direkten Kontakt oder Körperflüssigkeiten übertragen. Mehr zu den unterschiedlichen Übertragungswegen erfahren Sie im Abschnitt «Prävention».
Symptome
Grundsätzlich kann Herpes überall an der Haut oder an Schleimhäuten des Körpers auftreten. Am häufigsten sind jedoch die Lippen und der Genitalbereich betroffen. In seltenen Fällen befällt der Herpes jedoch auch die Augen. In einem solchen Fall sollte rasch medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Meist beginnt der Herpes mit Spannungsgefühlen und Juckreiz am Ort des Ausbruchs, gefolgt von Bläschenbildung. Nach einiger Zeit platzen und verkrusten die Bläschen.
Diagnose
Die Diagnose des Herpes wird in der Regel schon aufgrund des typischen Erscheinungsbildes der Hautbläschen und der Beschwerden gestellt. Falls notwendig, kann das Herpesvirus auch mit einem Hautabstrich nachgewiesen werden.
Behandlung
Die Behandlung von Herpes ist rein symptomatisch. In der Regel lässt sich der Herpes mit antiviralen Medikamenten gut behandeln. Komplikationen können durch eine frühzeitige Behandlung verhindert werden.
Mit Salben oder Crèmes, die virushemmende Substanzen enthalten, können die Beschwerden gelindert werden. Tabletten oder Infusionen kommen bei Abwehrschwäche oder schwerem Verlauf zum Einsatz, während Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente der Linderung der Beschwerden dienen. Üblicherweise heilt ein Herpesausbruch innerhalb von etwa einer Woche folgenlos ab.
Prävention
Da sich Herpesviren, abhängig von ihrer Art, auf unterschiedlichem Weg übertragen lassen, ist es wichtig, die Übertragungswege zu kennen, um Infektionen vorzubeugen.
Übertragungswege
Direkter Kontakt mit infizierten Personen
Sowohl HSV-1 als auch HSV-2 werden oft durch direkten Schleimhaut- oder Hautkontakt übertragen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn aktive Bläschenbildung vorhanden ist.
Vor allem das häufig Lippenherpes auslösende HSV-1 wird oft durch Kontakt mit infizierten Lippenbläschen oder Speichel übertragen. HSV-2 wird hingegen oft durch Geschlechtsverkehr übertragen.
Im Rahmen einer aktiven Herpesinfektion, sprich wenn Bläschen oder offene Stellen sichtbar werden, sollte auf engen körperlichen Kontakt, vor allem aber auf das Küssen und Geschlechtsverkehr, verzichtet werden.
Das Risiko, an Genitalherpes zu erkranken, kann durch ein Kondom als Verhütungsmittel zwar deutlich reduziert werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Herpesviren auch nicht vom Kondom abgedeckte Hautbereiche infizieren können. Aus diesem Grund besteht keine vollständige Sicherheit durch die Verwendung eines Kondoms.
Gemeinsam genutzte Gegenstände
Auch gemeinsam genutzte Gegenstände wie Handtücher, Besteck oder Gläser können zu einem grossen Infektionsrisiko werden, sofern Viren darauf überleben.
Gegenstände, die mit den betroffenen Hautstellen in Kontakt kommen, sollten präventiv während einer akuten Phase nicht gemeinsam genutzt werden.
Geburt
Ein Herpes-Virus, wie etwa HSV-2 kann von einer infizierten werdenden Mutter während der Geburt auf ihr Neugeborenes übertragen werden.
Wenn eine schwangere Frau von Genitalherpes betroffen ist, sollte sie diesen Umstand zwingend frühzeitig mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen, denn Herpes-Infektionen können für Säuglinge lebensgefährlich werden.
Unter Umständen kann ein Kaiserschnitt nötig sein, um die Übertragung des Herpes-Virus auf das Neugeborene zu verhindern. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn es zu einer Erstansteckung im letzten Schwangerschaftsdrittel kommt oder wenn ein akuter Ausbruch zum Geburtszeitpunkt besteht.
Allgemeine präventive Massnahmen gegen HSV-1 und HSV-2
Eine Impfung gegen Herpes gibt es bislang nicht. Es gibt jedoch einige Möglichkeiten, um das Ansteckungsrisiko zu verringern. Dazu gehören unter anderem:
- ein starkes Immunsystem
- die Reduktion von Stress
- eine gute Hautpflege
- das konsequente Befolgen von Hygienemassnahmen
- Verhütung
Gegen Reaktivierung des Herpesvirus hilft ein starkes Immunsystem. Dieses kann durch ausreichend Schlaf, regelmässige Bewegung, ausgewogene Ernährung und der Reduktion von Stress gefördert werden.
Präventive Massnahmen gegen HSV-1
Vorweg: Eine Herpesansteckung mit HSV-1 ist nur schwierig zu umgehen, da sich viele bereits im Kindesalter anstecken und ein Grossteil der Weltbevölkerung davon betroffen ist.
Durch spröde, aufgeraute Lippen kann es leicht zu Infektionen kommen. Es gibt jedoch präventive Massnahmen, die Lippenherpes vorbeugen können. Vor allem in der kalten Jahreszeit kann es zur Reaktivierung des Virus kommen. Indem die Lippen entsprechend gepflegt und geschmeidig gehalten werden, kann diese verhindert werden. Während der Sommermonate ist es zudem empfehlenswert, Lippen mit Pflegeprodukten und ausreichendem Lichtschutzfaktor in Pflegeprodukten vor UV-Schäden zu schützen.
Ist Herpes ansteckend?
Ja, Herpes ist ansteckend. Herpes-simplex-Viren werden unter anderem über direkten Hautkontakt oder Speichel übertragen.
Bricht Herpes immer aus bei einer Infektion?
Nein, nicht zwingend. Nicht jeder Mensch mit HSV-Infektion zeigt auch Symptome. Viele tragen Herpesviren lebenslang ohne Beschwerden in sich. Ob Rezidive, also das Wiederauftreten von Herpes nach einer Phase der Heilung oder Besserung auftreten, hängt von individuellen Auslösern ab.
Warum bekommt man plötzlich Herpes?
Plötzliche Ausbrüche von Herpes erfolgen, wenn das Herpes-simplex-Virus reaktiviert wird. Faktoren wie Stress, Fieber, ein geschwächtes Immunsystem, hormonelle Veränderungen oder UV-Strahlung können die Reaktivierung und Beschwerden hervorrufen.
Kann Stress Herpes auslösen?
Ja, sowohl physischer als auch psychischer Stress kann das Immunsystem belasten und dadurch Herpes auslösen, respektive das Virus reaktivieren.
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