Die unterhalb des Kehlkopfes liegende Schilddrüse produziert wichtige Hormone für den Stoffwechsel des Körpers. Ihre Funktion kann jedoch gestört sein. In diesem Fall liegt entweder eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) vor. Bei letzterer ist der Stoffwechsel übermässig angekurbelt. Verantwortlich dafür ist ein Überschuss an Schilddrüsenhormonen. Hier erfahren Sie mehr zu Therapiemöglichkeiten, Symptomen und Ursachen einer Überfunktion der Schilddrüse.

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Die Schilddrüsenüberfunktion im Überblick

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) werden zu viel Schilddrüsenhormone produziert und in grosser Menge ins Blut abgegeben, was weitreichende Auswirkungen für mehrere Körperfunktionen hat: Die Folge sind ein gesteigerter Stoffwechsel mit möglichen Beschwerden wie Durchfall, Nervosität, Reizbarkeit, Herzrasen oder einem erhöhten Blutdruck. Hyperthyreose betrifft ungefähr einen von 100 Menschen und bricht bei den Betroffenen meist im Alter zwischen 20 und 50 Jahren aus.

Bei Patientinnen und Patienten wird grundsätzlich zwischen der manifesten und der subklinischen Schilddrüsenüberfunktion unterschieden.

  • Manifeste Schilddrüsenüberfunktion: Die Erkrankung ist schon voll ausgeprägt und geht mit bestimmten Symptomen einher.
  • Subklinische Schilddrüsenüberfunktion: Die Erkrankung macht sich (noch) nicht mit Symptomen bemerkbar, wobei Auffälligkeiten im Hormonstatus der Patientinnen und Patienten bereits vorhanden sind.

Ursachen von Schilddrüsenüberfunktion

Bei den häufigsten Ursachen für die Überfunktion der Schilddrüse handelt es sich um die Schilddrüsenautonomie und die Autoimmunerkrankung Basedow. Auffällig ist dabei, dass der Morbus Basedow bei Frauen deutlich häufiger auftritt als bei Männern. Patientinnen sind fünf- bis zehnmal so häufig von der Basedow-Krankheit betroffen als Patienten.

Morbus Basedow

Beim Morbus Basedow produziert das Immunsystem sogenannte TSH-Rezeptorantikörper (auch TRAK genannt). Diese Antikörper sind gegen das Schilddrüsengewebe gerichtet. In der Schilddrüse docken sie an den Rezeptoren (Bindungsstellen) an, an denen auch das schilddrüsen-stimmulierende Hormon TSH andockt.

Die Funktion von TSH besteht in der Steuerung der Hormonproduktion. Das schilddrüsen-stimmulierende Hormon wird von der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) ausgeschüttet, damit dieses wirken kann. Wenn TRAK nun aber an die Rezeptoren von TSH andocken, ahmen sie die TSH-Wirkung nach. Die Folge: Die Schilddrüsenhormonbildung wird, unabhängig von der Kontrolle durch das Gehirn, angekurbelt. Wie bei vielen weiteren Immunerkrankungen ist bis anhin noch nicht bekannt, was zu dieser Fehlfunktion des Immunsystems führt, sprich, warum es zu einem Morbus Basedow kommt.

Schilddrüsenautonomie

Liegt eine Schilddrüsenautonomie vor, wird Schilddrüsengewebe nicht mehr durch übergeordnete Hirnzellen reguliert. In diesem Fall produziert es Schilddrüsenhormone in unkontrollierter Art und Weise. Bei einer Schilddrüsenautonomie kann die Hyperthyreose mehr oder minder stark ausgeprägt sein.

Anhand der Menge an autonomen Gewebe in der Schilddrüse und dem damit einhergehenden Überschuss an Hormonen werden drei Formen der Schilddrüsenautonomie unterschieden:

  • Disseminierte Schilddrüsenautonomie: Autonomes Gewebe, das unkontrolliert Hormone produziert, tritt in der gesamten Schilddrüse auf.
  • Unifokale Schilddrüsenautonomie: Das autonome Gewebe ist beschränkt auf einen gutartigen "Knoten" in der Schilddrüse (autonomes Schilddrüsenadenom).
  • Multifokale Schilddrüsenautonomie: Mehrere gutartige "Knoten" in der Schilddrüse produzieren unkontrolliert Hormone.

Seltenere Ursachen

Während sich meist der Morbus Basedow oder die Schilddrüsenautonomie als Ursache für eine Hyperthyreose erweisen, kommen in gewissen Fällen auch andere Ursachen infrage:

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Symptome

Bei einer Hyperthyreose ist der gesamte Stoffwechsel im Körper gesteigert. Entsprechend können Patientinnen und Patienten mit den unterschiedlichsten Symptomen konfrontiert sein.

Beschwerden, die auf eine Schilddrüsenüberfunktion hinweisen können, sind:

Ist die Schilddrüse sichtbar vergrössert, zeigt sich eine Schwellung im vorderen Halsbereich, was umgangssprachlich als Kropf und im medizinischen Kontext als Struma bezeichnet wird.

Ein typisches Merkmal von Patientinnen und Patienten, bei denen Morbus Basedow vorliegt, sind hervortretende Augäpfel (Exophthalmus). Zudem treten auch weitere Augenbeschwerden wie etwa vermehrter Tränenfluss, Lichtscheue und sehr trockene oder gerötete Augen ebenfalls häufig im Zusammenhang mit Morbus Basedow auf.

Diagnose

Bei der Abklärung einer möglichen Schilddrüsenüberfunktion steht die Anamnese als erste Massnahme an. Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr behandelnder Arzt befragt Sie zu allfälligen Grund- und Vorerkrankungen sowie Ihren Beschwerden. Darüber hinaus erkundigt sich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt über die Einnahme von Medikamenten.

Das Ziel der Anamnese besteht darin, Ihre Krankengeschichte in Erfahrung zu bringen. Im Anschluss an das Gespräch folgt die Untersuchung Ihres Körpers: Dabei wird die Schilddrüse auf Knotenbildung und eine allfällige Vergrösserung der Schilddrüse abgetastet und geprüft, ob hervortretende Augäpfel oder andere Augenprobleme bestehen.

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann schliesslich aufgrund der Beschwerden und mit einer Messung der Schilddrüsenhormone im Blut diagnostiziert werden. Zur Abklärung der Ursache können darüber hinaus weitere Untersuchungen wie Ultraschall, Kontrastmittelröntgen (Szintigraphie) oder Biopsie (Gewebeprobe) durchgeführt werden.

Behandlung von Schilddrüsenüberfunktion

Je nach Beschwerden und Ursache einer Hyperthyreose kommen verschiedene Möglichkeiten zur Therapie in Betracht. Zu Beginn wird die Hyperthyreose üblicherweise medikamentös, mit sogenannten Thyreostatika, behandelt. Diese blockieren die Bildung oder Ausschüttung der Schilddrüsenhormone.

Wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreicht, kann die Überfunktion mit einer Strahlentherapie (Radiojodtherapie) behandelt werden. Bei Schilddrüsentumoren, wenn die Schilddrüse vergrössert ist oder wenn zahlreiche Knoten mit erhöhter Hormonproduktion bestehen, wird in manchen Fällen eine operative Entfernung der Schilddrüse empfohlen. Mehr zu Operationen an der Schilddrüse erfahren Sie im Kapitel Schilddrüsenoperation.

Prävention

Morbus Basedow und Schilddrüsenautonomie, die häufigsten Ursachen für Hyperthyreose, lassen sich bis anhin noch auf keine Weise vorbeugen. Allerdings gibt es bestimmte seltenere Ursachen von Hyperthyreose, die durch einfache Massnahmen vermieden werden können.

Schilddrüsengesundheit lässt sich mit einer angemessenen Jodzufuhr fördern. Täglich sollten Erwachsene maximal zwischen 180 und 200 Mikrogramm Jod zu sich nehmen. Wichtig: Das Mass ist entscheidend. Eine übermässige Jodzufuhr kann eine Hyperthyreose auslösen. Aus diesem Grund sollte niemals mehr als die empfohlene Menge an Jod täglich zu sich genommen werden.

Falls Sie jodhaltige Medikamente zu sich nehmen, nehmen Sie Schilddrüsenhormone auf keinen Fall in einer Überdosis ein. Sie laufen sonst Gefahr, dass Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion ausgelöst werden.

Fragen rund um Schilddrüsenüberfunktion

Ist eine Schilddrüsenüberfunktion gefährlich?

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann, insbesondere bei älteren Patientinnen und Patienten oder bei unbehandelten Fällen, gefährlich werden. Sie führt zur erhöhten Hormonproduktion, kann das Herz belasten und in seltenen Fällen zu einer thyreotoxischen Krise führen. Es handelt sich dabei um einen medizinischen Notfall, der intensivmedizinische Behandlung erfordert und zu Komplikationen in Organsystemen wie Nieren, Lunge, Herz oder Nervensystem führen kann.

Kann man mit einer Schilddrüsenüberfunktion normal leben?

Ja, viele Patientinnen und Patienten können mit einer Hyperthyreose ein weitestgehend normales Leben führen, wenn die Schilddrüsenüberfunktion früh erkannt und behandelt wird. Wichtig ist dabei eine regelmässige Kontrolle, die Therapie mit Medikamenten, in bestimmten Fällen Radiojodtherapie oder eine Operation.

Welche Therapien gibt es bei einer Schilddrüsenüberfunktion?

Die Behandlung erfolgt meist medikamentös mit Thyreostatika, kann aber, je nach Ausprägung, auch Radiojodtherapie oder eine Operation umfassen. Ziel der Behandlung ist es, die Schilddrüse zu normalisieren, die Hormonproduktion zu regulieren und Symptome wie erhöhte Herzfrequenz oder Knoten zu reduzieren.

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