Unter dem Begriff des kolorektalen Karzinoms werden Darmkrebserkrankungen des Dickdarms, des Enddarms und des Rektums zusammengefasst. Beim Darmkrebs handelt es sich um die dritthäufigste Krebsart, die vorwiegend Menschen über 50 Jahre betrifft. Gerade in den letzten Jahren erkrankten jedoch immer mehr jüngere Menschen. Ist der Darmkrebs ausgebrochen, werden Operationen, Chemotherapie und Strahlentherapie zur Behandlung eingesetzt.

Arzt zeigt Darmkrebs anhand eines Modells

Darmkrebs: Überblick

Über 4000 Menschen erkranken hierzulande jährlich an Darmkrebs, wobei Männer und Frauen in etwa gleich häufig betroffen sind. Bei Darmkrebs handelt es sich um eine der häufigsten Tumorerkrankungen, die bei einer frühen Diagnose jedoch gut behandelbar ist.

Ab 50 Jahren steigt das Erkrankungsrisiko deutlich an. Aus diesem Grund empfiehlt die Krebsliga regelmässige Darmspiegelungen (Koloskopien) ab diesem Alter als Früherkennungsmassnahme.

In den meisten Fällen liegt bei der Diagnose Darmkrebs Dickdarmkrebs oder Mastdarmkrebs (Kolorektalkarzinom) vor. Der Dünndarm ist von der Krebserkrankung selten betroffen, schliesslich treten 60 bis 70 % aller Darmtumore auf den letzten rund dreissig Zentimetern des Organs, meist auf der linken Seite, auf.

Überwiegend entwickelt sich Darmkrebs aus Darmpolypen, die jedoch entarten können. Bei den meisten dieser Polypen handelt es sich um Adenome, sprich gutartige, drüsige Wucherungen. Rund ein Fünftel solcher Adenome entwickelt sich im Laufe der Zeit zu Darmkrebs weiter.

Bei einer Darmkrebs-Diagnose hängen die Heilungschancen und Art der Therapie von mehreren Faktoren ab. Unter anderem von den Folgenden:

  • Tumorstadium: Welches Tumorstadium liegt vor?
  • Lymphknoten: Sind Lymphknoten befallen?
  • Metastasen: Liegen Metastasen vor?

Über die Blutbahn kann der Darmkrebs insbesondere in die Lunge und Leber metastasieren, über Lymphgefässe in nahe gelegene Lymphknoten. Über eine direkte Ausbreitung können der Krebs ausserdem ins Bauchfell gelangen.

Darmkrebs-Stadien im Überblick

Darmkrebs tritt in einer Vorstufe sowie in vier Stadien in Erscheinung. Während Darmtumore im meist symptomfreien Stadium I selten entdeckt werden, kommt es im Stadium II und III häufig zu einer Darmkrebs-Diagnose.

Das Tumorstadium spielt bei der Diagnose von Darmkrebs eine entscheidende Rolle. Für die Einschätzung der Heilungschancen sowie für die Wahl einer geeigneten Therapie ist es grundlegend, denn es beschreibt, wie weit sich der Krebs bereits im Körper ausgebreitet hat.


Darmkrebs-Stadien 0 bis IV

  • Stadium 0: Der Darmkrebs ist in diesem Stadium, einer Vorstufe, auf die oberste Zellschicht begrenzt.
  • Stadium I: Es liegt eine Begrenzung des Tumors auf die Darmschleimhaut oder -wand vor. Lymphknoten sind noch nicht befallen.
  • Stadium II: Der Krebs ist weiter in die Schleimhaut des Darms eingewachsen und hat sämtliche Darmwandschichten befallen. Lymphknoten sind noch nicht betroffen.
  • Stadium III: Der Tumor hat sich auf nahegelegene Lymphknoten ausgebreitet.
  • Stadium IV: Im vierten Stadium treten Fernmetastasen auf, beispielsweise in der Lunge oder der Leber.
Visualisierung eines Karzinoms im Darmtrakt

Ursachen von Darmkrebs

Die Entstehung von Darmkrebs kann durch eine Reihe von Risikofaktoren begünstigt werden. Grundsätzlich gilt, dass die Darmkrebswahrscheinlichkeit insbesondere beim Zusammenspiel mehrerer Faktoren stark ansteigen kann.

Unterschieden werden können Faktoren, die nicht beeinflussbar sind sowie solche, die beeinflussbar sind.

Zu den nicht beeinflussbaren Faktoren, die bei der Entstehung von Darmkrebs eine Rolle spielen, gehören:

Zu den beeinflussbaren Faktoren, die zur Entstehung von Darmkrebs beitragen, gehören:

  • mangelnde Bewegung
  • Rauchen
  • Alkoholkonsum (mässig bis hoch = zwei oder mehr alkoholische Getränke pro Tag, respektive mehr als 1,5l Alkohol pro Woche)
  • Übergewicht, insbesondere bei Auftreten von viel Bauchfett
  • täglicher Konsum von rotem Fleisch
  • ungenügende Aufnahme von Nahrungsfasern (beispielsweise aus Obst, Gemüse, Getreide und Hülsenfürchten)

Eine besonders entscheidende Rolle bei der Entstehung von Darmkrebs spielt das Alter: Das Erkrankungsrisiko steigt ab dem 50. Lebensjahr stark an. Dabei ist jedoch zu beachten, dass auch Symptome bei jungen Menschen konsequent abgeklärt werden sollten.

In den USA tritt Darmkrebs bei jungen Menschen unter 50 Jahren seit den 90er-Jahren gehäuft auf. Diese Entwicklung zeigt sich auch hierzulande immer deutlicher: Zunehmend mehr junge Menschen erkranken an einem Darmtumor. Da sich viele junge Patientinnen und Patienten nicht vorstellen können, an Darmkrebs erkrankt zu sein, der jahrelang mit fortgeschrittenem Alter in Verbindung gebracht wurde, scheuen sie den Gang zur Ärztin oder zum Arzt. Ein gravierender Fehler, der Patientinnen und Patienten um eine frühzeitige Behandlung und damit höhere Heilungschancen bringen kann.

Treten Adenome schon vor dem 50. Lebensjahr auf, ist besondere Vorsicht geboten. In diesem Fall ist das Darmkrebsrisiko nämlich nicht nur für Betroffene deutlich erhöht, sondern auch für deren Geschwister und Eltern. Anders sieht es bei nach dem 60. Lebensjahr aufgetretenen Adenomen aus: Diese haben keine direkte Auswirkung auf die Gesundheit von Verwandten.

Wichtig: Treten andere Krebserkrankungen, wie beispielsweise Magenkrebs oder Gebärmutterhalskrebs in der Familie auf, sollten Betroffene dies der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt mitteilen.

Darmkrebs Symptome

Bei Darmkrebs handelt es sich um eine besonders tückische Krebserkrankung, denn diese Tumoren bereiten zum Beginn der Erkrankung kaum Beschwerden, weswegen sie oft sehr spät erkannt werden. Bei einem Fünftel aller betroffenen Personen hat der Tumor zum Diagnosezeitpunkt schon Ableger gebildet (Stadium IV). Aus diesem Grund sind Früherkennungsuntersuchungen von grosser Bedeutung. Werden Patientinnen und Patienten früh behandelt, kann Darmkrebs in vielen Fällen geheilt werden.

Der Darmkrebs kann sich mit den folgenden Symptomen bemerkbar machen:

  • veränderte Stuhlgewohnheiten
  • Stuhldrang ohne Entleerung
  • Wechsel von Verstopfung und Durchfall
  • Schleim oder Blut im oder auf dem Stuhl
  • bleistiftdünner Stuhl
  • schwarzer Stuhl
  • Übelkeit
  • fehlender Appetit
  • Völlegefühl
  • wiederkehrend Verdauungsbeschwerden und Bauchschmerzen
  • Gewichtsabnahme, trotz gleichbleibender Kalorienzufuhr und Aktivität
  • Fieber ohne Erkältungszeichen
  • Blutarmut (Anämie), die sich durch Müdigkeit, Leistungsabnahme und Hautblässe zeigt.

Seltener treten die folgenden Symptome auf:

  • Juckreiz im Analbereich, der anhält, insofern der Tumor in Afternähe auftritt, oder es zu einer Reizung der Schleimhaut kommt.
  • Immer wiederkehrende Aphten im Mund. Diese Häufung wiederkehrender Aphten im Mund tritt insbesondere bei fortgeschrittenem Darmkrebs auf, wenn eine Schwächung des Immunsystems vorliegt oder eine Tumortherapie begonnen wurde.

Vorsicht ist besser als Nachsicht: Selbstverständlich können bei jedem Menschen einmal Verdauungsprobleme auftreten. Halten diese jedoch länger an oder kehren wieder, sollte auf jeden Fall eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Schnelles Handeln, Finden eines Polyps oder Finden eines Tumors kann lebensrettend sein.

Tipp: Es lohnt sich nach jedem Stuhlgang einen Blick auf Ihren Stuhl zu werfen. Auf diese Weise können Sie allfällige Blutungen oder Schleim eher bemerken und entsprechende Massnahmen ergreifen.

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Darmkrebs Diagnose

Zur Diagnose der Krebserkrankung wird eine Dickdarmspiegelung sprich Darmspiegelung (Koloskopie) durchgeführt. Im Rahmen der Darmspiegelung werden bei verdächtigen Veränderungen Gewebeproben entnommen, die im Anschluss untersucht werden.

Sowohl die Dickdarmspiegelung als auch der Blut-im-Stuhl-Test werden hierzulande als Methoden zur Früherkennung von Darmkrebs genutzt. Obwohl beide Methoden wissenschaftlich gut geprüft sind, sprechen für die Darmspiegelung gute Argumente mit Blick auf allfällige Polypen.

Zwar ist ein Stuhltest simpler in der Durchführung, doch ist dabei zu bedenken, dass Blut im Stuhl in frühen Stadien und einer Krebsvorstufe nicht zwingend in Erscheinung tritt. Andererseits fällt eine Darmspiegelung aufwendiger aus. Der grosse Vorteil der Koloskopie besteht darin, dass Polypen, die im Rahmen einer Darmspiegelung entdeckt werden, in den allermeisten Fällen direkt entfernt werden können.

Unabhängig davon, welche Früherkennungsmethode angewendet wird, gilt: Die Regelmässigkeit der Untersuchung ist essenziell. Untersuchungen sollten Sie in angemessenen Abständen durchführen lassen. Für die unterschiedlichen Früherkennungsmethoden bedeutet das:

  • Darmspiegelung: sollte alle zehn Jahre durchgeführt werden.
  • Blut-im-Stuhl-Test: sollte alle zwei Jahre durchgeführt werden.

Für den Fall, dass Polypen entdeckt oder andere Risikofaktoren vorliegen, empfehlen Magen-Darm-Spezialistinnen und -spezialisten (Gastroenterologen) Kontrollen in kürzeren Abständen. 

Behandlung

Die Art der Behandlung richtet sich nach dem Stadium der Krebserkrankung, dem Alter der Patientin oder des Patienten sowie dem Allgemeinzustand der betroffenen Person. In einem frühen Stadium ermöglicht die chirurgische Entfernung des Darmtumors gute Heilungschancen. Voraussetzung ist, dass der Tumor noch nicht in den Darm eingewachsen ist und noch keine Metastasen gebildet hat.

Damit die Wirksamkeit der Behandlung in einem fortgeschrittenen Stadium des Tumors erhöht werden kann, wird die chirurgische Behandlung mit einer Strahlentherapie oder einer Chemotherapie kombiniert. Mehr zu den chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten erfahren Sie in unserem Beitrag zur Dickdarmoperation.

Frau hält sich die Hände schützend vor dem Bauch

Prävention

Da der Darmkrebs sich fast ausschliesslich aus kleinen Darmpolypen entwickelt, sind vorbeugende Kontrolluntersuchungen äussert wichtig, damit diese zeitig entfernt werden können. Werden Polypen im Rahmen einer Vorsorge-Koloskopie rechtzeitig entdeckt und entfernt, können bis zu 80 % aller Darmkrebserkrankungen verhindert werden.

In den allermeisten Fällen können im Rahmen einer Früherkennung sowohl Darmtumore in allen Stadien als auch die Vorstufen davon gefunden werden, auch wenn der Darmkrebs lange keine spürbaren Beschwerden verursacht. Wird der Krebs in einem frühen Stadium entdeckt, ist er sehr gut behandelbar und die Heilungschancen fallen entsprechend gross aus. Eine Früherkennungsuntersuchung lohnt sich also auf jeden Fall.

In der Schweiz wird die Darmkrebs-Früherkennung allen Personen ab 50 Jahren empfohlen. Wer einer Risikogruppe angehört, etwa durch eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung bedingt, sollte sich jedoch deutlich früher untersuchen lassen.

Nebst der Früherkennung können auch weitere Massnahmen ergriffen werden. Folgende Punkte helfen dabei, Darmkrebs vorzubeugen:

  • Übergewicht vermeiden
  • ausreichende Bewegung
  • Ballaststoffreiche, ausgewogene Ernährung
  • Nicht zu viel rotes Fleisch konsumieren
  • Idealerweise: Verzicht auf Alkohol (oder maximal Alkoholkonsum in kleinen Mengen)
  • Nichtrauchen
  • Genügende Versorgung mit wichtigen Nährstoffen wie Vitamin D

Durch einen solchen Lebensstil können Sie ihre Gesundheit fördern, in der Darmkrebsprävention aktiv werden und das Darmkrebs-Risiko erheblich senken.

FAQ

Wie hoch sind die Darmkrebs-Überlebenschancen?

Im Stadium I ist die Heilungschance sehr hoch: Neun von zehn Betroffene können geheilt werden. Doch auch bei fortgeschrittenen Stadien, haben sich die Überlebenschancen in den vergangenen Dekaden stetig verbessert, insbesondere dank medizinischer Therapien, die immer besser werden. In Sachen Darmkrebs zählt die Schweiz zu den Ländern mit den höchsten Überlebensraten. 

Welche Arten von Darmkrebs gibt es?

Darmkrebs, auch als sogenanntes kolorektales Karzinom bekannt, entsteht meist im Dickdarm oder Enddarm. Es handelt sich bei Darmkrebs also oft um Dickdarmkrebs oder Mastdarmkrebs. Aber auch Dünndarmkrebs kann entstehen, wenn auch deutlich seltener.

Welche Rolle spielt die Ernährung bei Darmkrebs?

Eine ausgewogene Ernährung kann das Risiko für Darmkrebs senken. Ballaststoffreiche Kost unterstützt die Gesundheit des Darms, während übermässiger Konsum von rotem Fleisch das Erkrankungsrisiko steigern kann.

Wie wird eine Darmspiegelung durchgeführt?

Eine Ärztin oder ein Arzt untersucht den Darm bei einer Darmspiegelung mit einem Endoskop. Die Darmspiegelung ist in der Regel nicht schmerzhaft, da sie unter Sedierung durchgeführt wird, sodass Patientinnen oder Patienten nur wenig oder gar nichts von der Untersuchung merken. Polypen oder Tumore können dabei direkt entfernt werden.

Zentren 40

So läuft die Darmkrebsvorsorge ab: