Eine Gehirnerschütterung tritt meist als Folge eines Sturzes auf und zählt zu den häufigsten Kopfverletzungen. Hier erfahren Sie, welche Symptome bei einer Gehirnerschütterung auftreten, wann Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen sollten und wie eine Gehirnerschütterung behandelt wird.
Überblick
Beim Gehirn handelt es sich um ein sehr empfindliches Organ. Das Gehirn ist im Schädel von Hirnflüssigkeit umgeben, die als natürlicher Schutz vor Erschütterungen und Stössen dient. Kommt es zu einer besonders starken Krafteinwirkung, beispielsweise durch einen Unfall, einen Sturz oder einen Schlag auf den Kopf, ist die Hirnflüssigkeit nicht in der Lage, den Aufprall ausreichend abzufedern. Das Gehirn kann entsprechend gegen die Schädelwand stossen und vorübergehend in seiner Funktion beeinträchtigt werden. Diese Verletzung wird als Gehirnerschütterung bezeichnet und gilt als die leichteste Form eines Schädel-Hirn-Traumas.
Eine Gehirnerschütterung kann einen vorübergehenden Bewusstseinsverlust verursachen. Darüber hinaus tritt sie ohne offensichtliche Schäden an der Hirnstruktur auf und verursacht in der Regel keine bleibenden Schäden. Bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung sollten Sie jedoch auf mögliche Warnzeichen achten. Dazu zählen Bewusstlosigkeit, wiederholtes Erbrechen, starke oder zunehmende Kopfschmerzen, Sprachstörungen, Krampfanfälle, starke Verwirrtheit oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes.
Ursachen
Eine Gehirnerschütterung entsteht meist durch einen Schlag, Stoss oder Sturz auf den Kopf. Auch starke Erschütterungen des Körpers, etwa bei Verkehrsunfällen oder Sportunfällen, können das Gehirn im Schädel ruckartig beschleunigen sowie abbremsen und somit zu einer Gehirnerschütterung führen.
Besonders häufig treten Kopfverletzungen wie die Gehirnerschütterung in Sportarten mit hohen Geschwindigkeiten, wie zum Beispiel im Motorsport, beim Skifahren, Velofahren oder Mountainbiken auf. Auch in Kontaktsportarten wie beispielsweise Eishockey, Fussball oder Basketball sowie in Sportarten mit hoher Sturzgefahr sind sie keine Seltenheit.
Schläge auf den Kopf infolge körperlicher Auseinandersetzungen können ebenfalls schwerwiegende Verletzungen verursachen. Sowohl im Sport als auch in solchen Situationen besteht das Risiko eines schweren Schädel-Hirn-Traumas.
Symptome
Obwohl bei einer Gehirnerschütterung in bildgebenden Verfahren wie der Computertomografie (CT) oder der Magnetresonanztomografie (MRT) keine strukturellen Veränderungen des Gehirns nachweisbar sind, tritt in der Regel eine vorübergehende Beeinträchtigung der Gehirnfunktion auf, die mit mehr oder weniger stark ausgeprägten Symptomen einhergeht.
Bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung sollte immer eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden, insbesondere bei Auftreten von mehrmaligem Erbrechen, Bewusstlosigkeit, Sprachstörungen sowie stark ausgeprägtem Schwindelgefühl und heftigen Kopfschmerzen.
Symptome und Anzeichen für eine Gehirnerschütterung
- Kopfschmerzen
- Verwirrung
- Gedächtnisverlust
- Doppeltsehen
- Lichtempfindlichkeit
- Schwindel, schwerfällige Bewegungen und Gleichgewichtsprobleme:
- Übelkeit und Erbrechen
- Tinnitus (Klingeln in den Ohren), meist vorübergehend
- Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns, selten und meist vorübergehend
Die Beschwerden der Gehirnerschütterung können unmittelbar nach der Verletzung auftreten oder sich erst innerhalb von mehreren Stunden oder Tagen entwickeln.
Bestimmte Syndrome, die bis zu einigen Wochen nach einer Gehirnerschütterung eintreten können, werden als Posttraumatische Syndrome bezeichnet. Diese Syndrome können einen oder mehrere der folgenden Punkte umfassen:
- Erschöpfung
- Kopfschmerzen
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis
- Schlafschwierigkeiten
- Licht- oder Geräuschempfindlichkeit
- Persönlichkeitsstörungen, etwa in Form von Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen
Posttraumatische Syndrome treten oft innerhalb der ersten Woche nach einer Gehirnerschütterung auf und verschwinden in den meisten Fällen in der Folgewoche. In manchen Fällen können die Symptome jedoch auch monate- oder jahrelang anhalten.
Diagnose
Um eine Gehirnerschütterung nach einem Unfall zu diagnostizieren, kommen bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz. Liegen keine strukturellen Hirnverletzungen vor, steht die Behandlung der individuellen Symptome im Vordergrund.
Behandlung
Nach erfolgter Diagnose der Gehirnerschütterung klärt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt Patientinnen und Patienten über wichtige Verhaltensmassnahmen auf.
Behandlung einer Gehirnerschütterung
Generell empfiehlt es sich, dem Gehirn zur Erholung Zeit und Ruhe zu geben. Folgende Massnahmen bieten sich hierfür an:
- Auf körperliche Aktivitäten und Sport verzichten
- Auf Fernsehen, Arbeiten am Computer und langes Lesen verzichten
- Bei Bedarf sollten Patientinnen und Patienten auf ärztlichen Rat hin Medikamente gegen Kopfschmerzen und/oder Übelkeit einnehmen.
Auf Aspirin oder andere nichtsteroidale Schmerzmittel (NSAR) sollte verzichtet werden, da diese die Blutstillung beeinträchtigen und dadurch Blutungen aus geschädigten Blutgefässen begünstigen können. Eine leichte Gehirnerschütterung muss meist nicht weiter behandelt werden. Je nach Beschwerden kann es jedoch ratsam sein, sich für einige Tage krankschreiben zu lassen und sich entsprechend zu schonen.
Behandlung eines posttraumatischen Syndroms
Die Behandlung eines posttraumatischen Syndroms hängt in erster Linie vom Schweregrad der Symptome ab. Empfohlen sind regelmässige Beobachtung und Ruhe. Bei Verschlimmerung der Symptome sollten Betroffene ärztlichen Rat einholen.
Sportliche Aktivitäten sollen Betroffene nach einer Gehirnerschütterung erst dann wieder aufnehmen, wenn die ärztliche Behandlung abgeschlossen ist und gesundheitliche Risiken ausgeschlossen werden konnten.
Patientinnen und Patienten mit psychischen Beschwerden können von einer psychotherapeutischen Begleitung profitieren.
Prävention
Um einer Gehirnerschütterung vorzubeugen, sollten Menschen im Alltag mit angemessener Vorsicht handeln und unnötige Risiken vermeiden: Ein Helm beim Velofahren, Skifahren oder Hockeyspielen kann beispielsweise massgeblich dazu beitragen, Gehirnerschütterungen oder ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zu vermeiden. Eine weitere effiziente Massnahme zur Prävention ist das Einhalten von Verkehrs- und Sicherheitsregeln. Zusammenfassend lassen sich viele Stürze und Unfälle durch eine sichere Umgebung und aufmerksames Verhalten verhindern.
Wann sollte man mit einer Gehirnerschütterung zum Arzt gehen?
Bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung sollte immer eine ärztliche Abklärung erfolgen. Besonders wichtig ist dies nach einem Sturz, Unfall oder Schlag auf den Kopf.
Welche Warnzeichen erfordern sofortige Notfallhilfe?
Bei bestimmten Anzeichen für eine Gehirnerschütterung sollten Sie umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Dazu gehören Bewusstlosigkeit, wiederholtes Erbrechen, starke oder zunehmende Kopfschmerzen, Sprachstörungen, Krampfanfälle, starke Verwirrtheit oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes.
Wie lange sollte man sich nach einer Gehirnerschütterung schonen?
Das hängt von den Beschwerden ab. Nach der Gehirnerschütterung sind Ruhe und eine Schonung des Gehirns wichtig. Auf Sport, intensive körperliche Aktivitäten sowie lange Bildschirmzeiten sollten Betroffene verzichten, bis die Symptome abgeklungen sind.
Welche Spätfolgen kann eine Gehirnerschütterung haben?
In den meisten Fällen heilt eine Gehirnerschütterung ohne bleibende Folgen aus. Manche Betroffene entwickeln jedoch ein posttraumatisches Syndrom mit Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsproblemen oder Schlafstörungen. Diese Symptome können mehrere Wochen oder selten länger anhalten.
Welche Folgen haben wiederholte Gehirnerschütterungen?
Bei Menschen, die schon einmal eine Gehirnerschütterung erlitten haben, ist auch das Risiko einer erneuten Gehirnerschütterung höher, vor allem, wenn diese eintritt, bevor die Symptome der ersten Gehirnerschütterung abgeklungen sind. Darüber hinaus können wiederholte Gehirnerschütterungen das Risiko für Parkinson, Demenz oder eine Depression erhöhen.
Wie unterscheidet sich eine Gehirnerschütterung von einem Schädel-Hirn-Trauma?
Eine Gehirnerschütterung ist die leichteste Form eines Schädel-Hirn-Traumas. Sie führt zu einer vorübergehenden Funktionsstörung des Gehirns, ohne dass im CT oder MRT sichtbare Schäden erkennbar sind. Schwerere Schädel-Hirn-Traumata können dagegen mit strukturellen Verletzungen des Gehirns einhergehen.