Die Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt, ist eine akut lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Durch eine überschiessende Immunantwort kann sie sich rasch verschlimmern und zu Organversagen, einem septischen Schock oder sogar zum Tod führen. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung mit Antibiotika sind entscheidend, um die Überlebenschancen bei einer Blutvergiftung zu erhöhen.

Die Sepsis im Überblick

Wenn Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Pilze in den Organismus gelangen, reagiert das Immunsystem normalerweise mit einer begrenzten lokalen Entzündung. Eine Sepsis entsteht dann, wenn diese Infektion die örtlichen Abwehrbarrieren überwindet und sich die Erreger im Blutkreislauf ausbreiten. Dadurch wird eine Entzündungsreaktion im gesamten Körper ausgelöst, die nicht mehr kontrolliert abläuft.

In einem solchen Zustand richtet die fehlgeleitete Immunantwort nicht nur gegen die Erreger Schaden an, sondern auch an körpereigenen Geweben. Der Körper greift also seine eigenen Organe an. Als Folge dessen kann es zu Organversagen, einem septischen Schock oder sogar zum Tod kommen. Daher spricht man bei einer Sepsis von einer lebensbedrohlichen Organdysfunktion, verursacht durch eine fehlregulierte Wirtsantwort.

Septischer Schock

Von einem septischen Schock, der schwersten Form der Sepsis, spricht man, wenn trotz Flüssigkeitsgabe ein dauerhaft sehr niedriger Blutdruck besteht und gleichzeitig erhöhte Laktatwerte im Blut gemessen werden. Dies zeigt, dass die Gewebe nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Der septische Schock ist ein akuter Notfall und erfordert unverzüglich intensivmedizinische Massnahmen.

Ursachen einer Sepsis

Eine Blutvergiftung entsteht als Folge einer Infektion, die sich von ihrem ursprünglichen Entstehungsort aus im Körper ausbreitet. Sie kann sowohl durch bakterielle, als auch durch virale, pilzbedingte und parasitäre Infektionen ausgelöst werden. Die häufigsten Infektionsquellen sind:

Risikofaktoren einer Sepsis

Grundsätzlich kann jede Person an einer Sepsis erkranken. Es gibt jedoch bestimmte Gruppen, die ein erhöhtes Risiko haben, eine schwerwiegende Infektion zu entwickeln, die in eine Blutvergiftung übergeht. Dazu zählen insbesondere:

  • Erwachsene ab 65 Jahren
  • Säuglinge und Kleinkinder
  • Patienten oder Patientinnen mit geschwächtem Immunsystem, z. B. durch Chemotherapie, HIV/AIDS oder Autoimmunerkrankungen
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen, etwa Diabetes, Nierenfunktionsstörungen oder Herzinsuffizienz
  • Patientinnen und Patienten nach grösseren chirurgischen Eingriffen oder mit grossflächigen Wunden, die ein erhöhtes Infektionsrisiko mit sich bringen

Symptome einer Sepsis

Je früher eine Sepsis erkannt und behandelt wird, desto grösser sind die Überlebenschancen. Im frühen Stadium sind die Beschwerden einer Blutvergiftung jedoch oft unspezifisch und können leicht mit den Symptomen einer Erkältung oder Grippe verwechselt werden.

Eine Blutvergiftung äussert sich häufig durch eine Kombination verschiedener Anzeichen. Zu den wichtigsten Symptomen gehören:

  • Beschleunigte Atmung
  • Niedriger Blutdruck
  • Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit oder ausgeprägte SchläfrigkeitGeschlechterspezifische Symptome einer Lungenembolie

Darüber hinaus können folgende Symptome auftreten:

  • Fieber oder Schüttelfrost
  • Erhöhter Puls (Tachykardie)
  • Kalte Hände und Füsse
  • Fahle oder marmorierte Haut
  • Glieder- bzw. Muskelschmerzen
  • Vermindertes Wasserlassen (Oligurie)

Treten diese Symptome im Zusammenhang mit einer Infektion auf, sollte dringend an eine Sepsis gedacht werden. In diesem Fall ist es wichtig, sofort ein Spital aufzusuchen oder den Notruf zu wählen.

Diagnose einer Blutvergiftung

Da eine Sepsis ein akut lebensgefährlicher Zustand ist, muss die Diagnose sofort und ohne Verzögerung gestellt werden. In Notfallsituationen orientieren sich Ärztinnen und Ärzte zunächst an sogenannten Scores, wie beispielsweise dem qSOFA (quick Sepsis-related Organ Failure Assessment), um rasch einzuschätzen, ob ein erhöhtes Risiko für eine schwere Blutvergiftung besteht. Erst anschliessend wird der umfassendere SOFA-Score verwendet, mit dem beurteilt wird, welche Organe bereits beeinträchtigt sind.

qSOFA-Score: Schnelle Erstdiagnose einer Sepsis

Der qSOFA-Score umfasst drei einfach zu erhebende Kriterien:

  • Bewusstseinsveränderung (z. B. Verwirrtheit oder verminderte Wachheit)
  • Niedriger Blutdruck
  • Beschleunigte Atmung

Sind zwei oder mehr dieser Kriterien erfüllt, gilt die Wahrscheinlichkeit für eine schwer verlaufende Sepsis als erhöht. In diesem Fall werden in der Regel sofortige medizinische Notfallmassnahmen eingeleitet, um den Infekt zu kontrollieren, den Kreislauf zu stabilisieren und Organschäden zu verhindern.

SOFA-Score: Bewertung der Organfunktionen

Im Anschluss erfolgt die detaillierte Einschätzung, welche Organe bereits geschädigt sind. Dafür werden sechs verschiedene Systeme untersucht:

  • Atmung: Verhältnis von PaO₂ zu FiO₂ (Gasaustausch in der Lunge)
  • Zentrales Nervensystem: Glasgow Coma Scale (Bewusstseinslage)
  • Herz-Kreislauf-System: Mittlerer arterieller Blutdruck (MAP) und/oder Notwendigkeit von Vasopressoren (blutdrucksteigernde Medikamente)
  • Leber: Bilirubinwert im Blut
  • Blutgerinnung: Anzahl der Thrombozyten (Blutplättchen)
  • Niere: Kreatininwert

Jedes betroffene Organsystem wird auf einer Skala von 1 (leicht beeinträchtigt) bis 4 (stark beeinträchtigt) bewertet. Die Summe aller Werte ergibt den Gesamt-SOFA-Score, der Aufschluss darüber gibt, wie weit die Sepsis bereits fortgeschritten ist und wie hoch das Risiko für Organversagen ist.

Behandlung einer Sepsis 

Die Therapie einer Blutvergiftung beginnt in der Regel bereits in der Notfallaufnahme. Abhängig vom Schweregrad der Sepsis kommen verschiedene therapeutische Massnahmen zum Einsatz:

  • (Breitband-)Antibiotika
    Zu Beginn wird meist ein Breitbandantibiotikum eingesetzt, da dieses gegen viele verschiedene Bakterienstämme wirkt und so die wahrscheinlichsten Erreger schnell abgedeckt werden können. Sobald weitere Befunde vorliegen, kann die Therapie gezielt an den nachgewiesenen Erreger angepasst werden.
  • Flüssigkeitsgabe über die Vene
    Um den Kreislauf zu stabilisieren, erhalten Betroffene intravenöse Infusionen, die das Blutvolumen erhöhen (Volumentherapie) und damit die Durchblutung der Organe verbessern. Dies ist ein zentraler Bestandteil der frühen Behandlung.
  • Vasopressoren
    Reichen Infusionen nicht aus, um den Blutdruck ausreichend anzuheben, kommen kreislaufunterstützende Medikamente zum Einsatz. Diese bewirken eine Verengung der Blutgefässe und helfen so, den Blutdruck sowie die Durchblutung lebenswichtiger Organe zu sichern.
  • Unterstützung der Atmung
    Bei eingeschränkter Lungenfunktion kann zusätzlicher Sauerstoff notwendig sein. In schweren Fällen ist eine maschinelle Beatmung erforderlich, um den Körper ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen.
  • Beseitigung der Infektionsquelle
    Wenn die Sepsis durch eine klar abgrenzbare Infektionsquelle ausgelöst wird, etwa einen Abszess, entzündetes Gewebe oder Fremdkörper, kann eine chirurgische Entfernung des Infektionsherdes notwendig sein.
  • Unterstützung geschädigter Organe
    Versagen Organe infolge der Sepsis, werden spezielle Massnahmen notwendig, zum Beispiel eine Dialyse bei Nierenversagen oder Medikamente zur Stabilisierung der Herz- und Kreislauffunktion. Ziel ist es, die Organe zu entlasten, bis sich der Körper erholt.

Prävention

Infektionen frühzeitig zu behandeln und eine gute Wundpflege sind zentrale Massnahmen, um einer Sepsis vorzubeugen. Regelmässiges Händewaschen, sorgfältiger Umgang mit Kathetern und medizinischen Hilfsmitteln sowie Impfungen gegen häufige Infektionsauslöser können das Risiko einer Sepsis zusätzlich senken. Menschen mit chronischen Erkrankungen oder geschwächtem Immunsystem sollten Infektionszeichen besonders ernst nehmen.
 

FAQs zur Sepsis

Kann jede Infektion eine Sepsis auslösen?

Auch wenn es selten vorkommt, kann grundsätzlich fast jede Infektion in eine Sepsis übergehen. Unabhängig davon, ob Sie durch Bakterien, Viren oder Pilze verursacht wurde. Besonders gefährlich sind unbehandelte, schwer verlaufende oder sich rasch ausbreitende Infektionen, etwa der Lunge, der Harnwege, des Bauchraums oder grösserer Wunden.

Ist eine Sepsis ansteckend?

Die Sepsis selbst ist nicht ansteckend, sie ist eine Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Allerdings kann die zugrundeliegende Infektion, zum Beispiel eine Lungenentzündung oder ein Magen-Darm-Infekt, durchaus ansteckend sein.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für eine Blutvergiftung?

Ein verstärktes Risiko für eine Sepsis haben insbesondere ältere Menschen, Säuglinge, Personen mit geschwächtem Immunsystem und chronisch Kranke. Auch Patientinnen und Patienten mit Diabetes, Nieren- oder Herzinsuffizienz sind stärker gefährdet. Nach grossen Operationen oder bei ausgedehnten Wunden ist das Risiko ebenfalls erhöht.

Wann ist eine Sepsis überstanden?

Eine Sepsis gilt als überstanden, sobald die Infektion kontrolliert ist und die Organfunktionen sich stabilisiert haben. Der Weg zur vollständigen Genesung kann jedoch Wochen bis Monate dauern. Regelmässige ärztliche Kontrollen und begleitende Therapien unterstützen die Genesung.

Kann man sich nach einer Sepsis vollständig erholen?

Viele Betroffene erholen sich nach einer Sepsis vollständig, vor allem wenn sie früh erkannt und behandelt wurde. Dennoch kann der Körper stark geschwächt sein, sodass die Erholung oft Wochen bis Monate dauern kann. Manche Menschen entwickeln ein Post-Sepsis-Syndrom mit anhaltender Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder psychischer Belastung.

Wie hoch ist die Sterblichkeit bei einer Sepsis?

Die Überlebenschancen bei einer Sepsis hängen vom Schweregrad, dem Allgemeinzustand der Patientin oder des Patienten und der Frühzeitigkeit der Behandlung ab. Früh erkannte Sepsisformen bieten deutlich bessere Überlebenschancen als schwere oder erst spät diagnostizierte Verläufe. Ein septischer Schock ist mit besonders hohen Risiken verbunden.