Nierensteine (Nephrolithiasis) sind kristalline Ablagerungen in den Harnwegen oder im Nierenbecken. Diese Kalziumoxalat-Steine, aber auch Harnsäuresteine oder Kalziumphosphatsteine können starke Schmerzen (Nierenkoliken) verursachen. In den meisten Fällen bleiben sie jedoch unbemerkt.

Je nach Lokalisation werden die Steine als Nierensteine (Nephrolithiasis), Harnleitersteine (Ureterolithiasis) oder Blasensteine (Zystolithiasis) bezeichnet. Übergreifend wird auch von Harnsteinen gesprochen. Hier erfahren Sie mehr zu Symptomen, präventiven Massnahmen und zur Behandlung.

Überblick

Kleinste Kristalle werden täglich von der Niere ausgeschieden und sind im Urin gelöst. Nierensteine bilden sich dann, wenn bestimmte Stoffe im Urin eine hohe Konzentration erreichen und auskristallisieren. Passieren Steine den engen Harnleiter oder bleiben darin stecken, führt das bei den Betroffenen zu starken Schmerzen, der sogenannten Nierenkolik.

Die Steine können aus unterschiedlichen kristallinen Zusammensetzungen entstehen. Folgende lithogene Substanzen können unter anderem zu deren Bildung führen:

  • Kalzium
  • Oxalat
  • Harnsäure
  • Phosphat
  • Zystin

Nierensteine treten in unterschiedlichen Grössen auf: Sie können bis zu mehrere Zentimeter gross werden oder gar das gesamte Nierenbecken ausfüllen. Die kleinsten sind kaum grösser als ein Stecknadelkopf. Oft werden kleinere Steine spontan über den Urin ausgeschieden, was als Spontanabgang bezeichnet wird.

Gewisse Steine werden mit Medikamenten aufgelöst. Eine Behandlung in Form einer Operation ist selten nötig. Sie treten am häufigsten im Alter zwischen 30 und 60 Jahren auf und bilden sich häufiger bei Männern als bei Frauen. In der Schweiz haben etwa 5 % der Bevölkerung einmal im Leben einen Nierenstein.

Statistisch gesehen muss rund die Hälfte aller Betroffenen innerhalb von zehn Jahren mit einem erneuten Auftreten einer Nephrolithiasis rechnen. Massnahmen wie eine angepasste Ernährung und ausreichende Flüssigkeitsaufnahme verringern das Risiko, erneut zu erkranken, stark.

Ursachen von Nephrolithiasis

In den meisten Fällen lässt sich der Grund für die Entstehung von Steinen durch Untersuchungen ermitteln. Es sind mehrere Risikofaktoren bekannt, die zur Entstehung einer Urolithiasis führen können.

Familiäres Risiko

Ein erhöhtes Risiko für Nierensteine besteht, wenn diese bereits bei Ihnen oder anderen Mitgliedern Ihrer Familie aufgetreten sind.

Krankheiten

Auch gewisse Stoffwechselstörungen können die Nierensteinbildung begünstigen. Eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen kann beispielsweise zur vermehrten Kalziumabgabe in den Harn führen.

Ein erhöhtes Risiko für Nierensteine haben zum Beispiel auch Diabetikerinnen und Diabetiker, deren Urin in der Regel zu sauer ist, was die Harnsäuresteinbildung fördert.

Eine weitere Erkrankung, welche bereits bei Kindern Nierensteine verursachen kann, vererbbar ist und ein lebenslang angepasstes Trink- und Ernährungsverhalten erfordert, ist die Cystinurie.

Geringe Flüssigkeitszufuhr

Wenig zu trinken hat zur Folge, dass der Urin-Wasseranteil sinkt und die Konzentration bestimmter Stoffe (z. B. Kalzium) im Harn steigt. Solche Stoffe kristallisieren schliesslich und werden zu Nierensteinen.

Proteinreiche Ernährung

Nahrungsmittel wie beispielsweise Eier, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte sowie Nahrungsergänzungsmittel wie Soja-Shakes sind reich an Protein und führen zu einer erheblichen Säurelast für den Körper, die in den Knochen ausbalanciert und über die Niere in den Urin ausgeschieden wird.

Die Steinbildung wird durch den stark übersäuerten Urin erheblich beschleunigt. Menschen sollten insbesondere den Fleisch- und Fisch-Konsum im Auge behalten, da diese Lebensmittel zu einer zusätzlichen Harnsäure-Ausscheidung im Urin führen können.

Viel Oxalat

Der grösste Teil des im Urin gelösten Oxalats kommt aus unserer Leber, die es als Endprodukt unterschiedlicher Stoffwechselbahnen produziert. Darüber hinaus führt der Verzehr gewisser Nahrungsmittel zur gesteigerten Oxalat-Ausscheidung. Dazu gehören einerseits Nahrungsmittel, welche die Oxalatproduktion durch die Leber ankurbeln und andererseits solche, die viel Oxalat enthalten. Zu den Nahrungsmitteln, die zu einer verstärkten Oxalat-Ausscheidung führen, gehören unter anderem:

Nahrungsmittel, die zu einer Oxalat-Überproduktion durch die Leber führen

  • Gesüsste Getränke, insbesondere fruktosehaltige Softdrinks
  • Gelatine-Gummibonbons

Oxalat-reiche Nahrungsmittel

  • Mangold
  • Rhabarber
  • Spinat
  • Nüsse
  • Mandeln
  • Randen

Wird eine übermässige Menge an Oxalat im Urin ausgeschieden, wird die Steinbildung begünstigt. Hierbei entsteht eine Nierenstein-Untergruppe: die sogenannten Kalziumoxalatsteine.

Viel Salz

Zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfiehlt die WHO Menschen eine tägliche Salzaufnahme von weniger als fünf Gramm pro Tag. Wer diese Menge einhält, kann dadurch auch Nierensteinen vorbeugen. Durch eine erhöhte Salzaufnahme kommt es zur Ausscheidung überschüssigen Kalziums im Urin. Die hohe Kalzium-Konzentration im Urin kann ihrerseits zur Entstehung von Kalziumphosphatsteinen und Kalziumoxalatsteinen führen.

Welche Symptome verursachen Nierensteine?

Zu den Symptomen gehören plötzlich auftretende, starke Schmerzen in der Nierengegend, die je nach Lage des Steins in die entsprechenden Körperteile ausstrahlen können. Ein verstärkter Harndrang, Beschwerden beim Wasserlassen oder Blut im Urin können weitere Anzeichen von Nierensteinen sein. Solche Beschwerden sollten immer medizinisch abgeklärt werden. In seltenen Fällen kann auch ein Tumor dahinterstecken. Nierensteine können zudem die Entstehung einer Nierenbeckenentzündung begünstigen.

Solange Steine in der Niere verharren, treten meist keine Beschwerden auf. Häufig sind Nierensteine so klein, dass sie unbemerkt mit dem Urin ausgeschieden werden. Grössere Steine verursachen in der Regel erst Beschwerden, wenn sie den engen Harnleiter passieren oder dort stecken bleiben.

Dann kommt es zu der typischen Nierenkolik mit heftigen, krampfartigen Schmerzen im Lendenbereich, wobei eine Ausstrahlung der Schmerzen zur Leiste oder den äusseren Genitalien auftreten kann.

Die Schmerzen, deren Intensität üblicherweise innert weniger Minuten abnimmt, entstehen, weil der Druck in der Niere durch den Rückstau des Harns erhöht wird. Oft wird die Nierenkolik von starker Übelkeit, Erbrechen und Fieber begleitet. Als Reaktion auf die Schmerzen kann es auch zu einem aufgeblähten Bauch kommen.

Werden Nierensteine nicht behandelt, kann das zu einer Verengung der Harnleiter führen. Darüber hinaus droht bei einer Urinabflussstörung eine Infektion, die schlimmstenfalls eine lebensbedrohliche Blutvergiftung zur Folge hat.

Abhängig vom Schweregrad und der Dauer einer Stauung kann es zur Nierenschädigung bis hin zum Verlust der Nierenfunktion kommen.

In den folgenden Situationen sollten Betroffene eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen:

  • Es treten typische Schmerzen auf
  • Die Nierensteine gehen nicht von selbst ab
  • Es kann nur wenig Urin ausgeschieden werden
  • Ein Nierenstein löst einen Harnwegsinfekt aus

Grundsätzlich lassen sich Nierensteine gut behandeln. Nichtsdestotrotz sind vereinzelte Komplikationen nicht auszuschliessen, insbesondere wenn der Urinabfluss durch Nierensteine verhindert wird. In diesem Fall kommt es in der betroffenen Niere zu einem Harnstau, mit sämtlichen darin befindlichen Giftstoffen, die das Nierengewebe schädigen können. Darüber hinaus vermehren sich Harnbakterien im angestauten Urin. Diese Faktoren führen dazu, dass Nierensteine indirekt zu schwerwiegenden Komplikationen führen können, unter anderem etwa zu einer Blutvergiftung (Sepsis), zu Entzündungen des Nierenbeckens und der ableitenden Harnleiter, zur akuten Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) oder gar zu akutem Nierenversagen.

Diagnose bei Nierensteinen

Leiden Patientinnen oder Patienten an Schmerzen, die auf Nierensteine hinweisen, ist es wichtig, zu prüfen, dass diese auch tatsächlich von Nierensteinen beziehungsweise Harnsteinen herrühren und nicht etwa durch andere Krankheitsbilder ausgelöst werden. Vergleichbare Schmerzen wie bei Nierensteinen können beispielsweise auch bei einem Darmverschluss, bei einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse, bei Gallensteinen oder einer Blinddarmentzündung auftreten.

Während die Funktionstüchtigkeit der Nieren durch eine Blutuntersuchung geprüft werden kann, gibt eine Urinuntersuchung darüber Aufschluss, ob eine Harnwegsinfektion vorliegt. Zur Diagnostizierung von Nierensteinen werden schliesslich Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung, eine Computertomografie oder eine Blasen- oder Harnleiterspiegelung durchgeführt. Nierensteine (Harnsteine) werden im Rahmen einer Ultraschall-Untersuchung häufig auch zufällig entdeckt, was in der Medizin als Zufallsbefund bezeichnet wird.

Behandlung bei Nierensteinen

Oft stellt sich Patientinnen und Patienten die Frage, ob ein Eingriff bei Nierensteinen zwingend nötig ist und diese entfernt werden müssen. Die Antwort darauf ist: Nein, gerade kleinere Steine werden oft ohne weitere Massnahmen mit dem Urin ausgeschieden. Ist das nicht der Fall, kommen je nach Situation unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten in Betracht. Generell gilt: Viel trinken unterstützt den natürlichen Abgang kleiner Steine.

Medikamente

Harnsäuresteine können mit steinlösenden Medikamenten (Litholyse) aufgelöst werden.

Operative Entfernung

Kalziumoxalat-Steine werden mit Medikamenten nicht aufgelöst. Hier fällt die Wahl meist auf einen chirurgischen Eingriff in Form einer Entfernung. In der Regel erfolgt die operative Entfernung von Nierensteinen endoskopisch über eine Blasen- und Harnleiterspiegelung, oft mit einer anschliessenden Laserzertrümmung.

Zertrümmerung

Die Zertrümmerung der Steine mit Schallwellen stellt eine Alternative zu der Operation dar. Bei dieser sogenannten extrakorporalen Stosswellenlithotripsie (ESWL) werden die Steine gezielt von aussen mit Schallwellen zertrümmert. Die entstandenen kleineren Stücke werden dann über den Urin ausgeschieden.

Prävention

Die Rückfallgefahr ist bei Nierensteinen hoch. Mithilfe vorbeugender Massnahmen können Betroffene die Wahrscheinlichkeit erhöhen, kein zweites Mal zu erkranken. Folgendes können Patientinnen und Patienten tun:

Viel trinken: Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme von etwa 2 bis 3 Litern pro Tag trägt dazu bei, den Urin zu verdünnen. Viel zu trinken ist insbesondere bei hohem Flüssigkeitsverlust durch starkes Schwitzen wichtig.

Auf ausgewogene Ernährung achten: Lebensmittel, welche Oxalsäure enthalten, wie beispielsweise Spinat, Rhabarber, Mangold, Nüsse und Mandeln, sollten nicht in grossen Mengen verzehrt werden. Auch durch die Reduktion des Verzehrs von eiweissreichen Speisen kann das Risiko der Bildung von Harnsäuresteinen verringert werden.

Nach ärztlicher Absprache Medikamente einnehmen: Gegen Harnsäuresteine kommen Medikamente zur Vorbeugung infrage, die den pH-Wert des Harns so verändern, dass sich die Steine verkleinern oder auflösen und so mit dem Harn abgehen können.

Sich ausreichend bewegen: Regelmässige Bewegung kann dazu beitragen, dass sich Nierensteine weniger leicht festsetzen.

Übergewicht vermeiden: Beim Abnehmen sollte darauf geachtet werden, keine einseitige, strenge Diät zu wählen und stattdessen auf eine ausgewogene Ernährung zu setzen, da extreme Diäten die Steinbildung fördern könnten.

FAQ

Wie entstehen Nierensteine?

Nierensteine entstehen, wenn sich im Urin bestimmte Stoffe wie Kalzium oder Harnsäure bei zu geringer Flüssigkeitszufuhr oder ungünstiger Ernährung konzentrieren und Kristalle bilden, die sich zu Steinen zusammenschliessen.

Wie erkennt man einen Nierenstein?

Welche Beschwerden Nierensteine verursachen, ist abhängig von deren Lage und Beweglichkeit. Im besten Fall lösen Nierensteine keine Schmerzen aus und bleiben unbemerkt, indem sie auf natürlichem Weg mit dem Urin ausgeschieden werden.

Handelt es sich um grössere Nierensteine, können diese den Harnabfluss stören und weitere Beschwerden auslösen, wie plötzlich auftretende, starke, wellenartige Schmerzen, die unter anderem in den Rücken, den seitlichen Unterbauch oder in die Leisten und den Genitalbereich ausstrahlen (Nierenkolik). Darüber hinaus können Übelkeit und Erbrechen, häufiges Wasserlassen kleiner Harnmengen und nicht zu unterdrückender Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen, Blut im Urin, Fieber und Schüttelfrost auftreten.

Können Nierensteine wiederkehren?

Ja, nach einer ersten Erkrankung an Nierensteinen besteht ein erhöhtes Risiko, dass Steine erneut auftreten. Zu den häufigen Ursachen gehören unter anderem eine reduzierte Flüssigkeitsaufnahme, bestimmte Ernährungsgewohnheiten oder Stoffwechselstörungen. Betroffene können das Rückfallrisiko durch eine angepasste Ernährung, regelmässige Kontrollen und eine angemessene Flüssigkeitsaufnahme deutlich senken.

Welche Rolle spielt Trinken bei Nierensteinen?

Ausreichendes Trinken ist ein wichtiger Bestandteil der Nierenstein-Behandlung und -Vorbeugung. Wer genügend trinkt, verdünnt den Urin und unterstützt den Körper dabei, kleine Harnsteine über die Harnwege auszuscheiden.

Wann müssen Nierensteine operativ entfernt werden?

Ein operativer Eingriff kommt infrage, wenn Nierensteine Schmerzen verursachen, die stark sind und darüber hinaus wenn Steine nicht von selbst abgehen, den Harnleiter blockieren oder den Urinabfluss behindern. Auch bei Infektionen, eingeschränkter Nierenfunktion oder grösseren Harnsteinen können operative Massnahmen notwendig sein. Ziel der Therapie ist es, Komplikationen zu vermeiden und die Harnwege zu entlasten.

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