Eine erhöhte Körpertemperatur ist ein häufiges Symptom bei Erkrankungen. Ab einer Körpertemperatur von über 38°C liegt bei Erwachsenen per Definition Fieber (Pyrexie) vor. Hier erfahren Sie, was Sie gegen Fieber tun können, wie gefährlich es wirklich ist und wann eine ärztliche Behandlung notwendig ist.
Überblick
Generell handelt es sich bei Fieber um eine Abwehrreaktion des Körpers. Fieber ist also keine eigenständige Krankheit, sondern vielmehr eine Reaktion des Körpers auf eine Vielzahl von Einflüssen. Unter anderem ist es ein klares Anzeichen dafür, dass der Körper gegen Infektionen vorgeht.
Fieber kann im Verlauf des Lebens oft vorkommen und ist in den meisten Fällen kein Grund zur Sorge. Besondere Vorsicht ist jedoch geboten, wenn es besonders hoch ausfällt, lange anhält oder bei einer der folgenden Gruppen auftritt.
Bei Babys, Kleinkindern, älteren Menschen, Tumorpatienten oder Menschen mit einem schwachen Immunsystem darf das Symptom Fieber nicht unterschätzt werden. Sind gefährdete Gruppen von Fieber betroffen, ist ein baldiger Arztbesuch nötig.
In diesen Gruppen kann Fieber ein wichtiger Hinweis auf eine ernsthafte oder rasch fortschreitende Infektion sein und sich schneller zu einem gefährlichen Zustand entwickeln, da die körpereigene Abwehr oft eingeschränkt ist und typische Warnzeichen weniger stark ausgeprägt sein können.
Entzündungsreaktion
Fieber tritt bei Entzündungen sehr häufig auf. Der Körper schüttet dabei fieber-auslösende Substanzen (Pyrogene) aus, die über ein Signal an den Hypothalamus dazu führen, dass die Körpertemperatur erhöht wird.
Infektionsbekämpfung
Fieber steigert die Aktivität von bestimmten Immunzellen wie den weissen Blutkörperchen. Diese helfen bei der Bekämpfung von Krankheitserregern. Darüber hinaus führt die erhöhte Körpertemperatur dazu, dass gewisse Krankheitserreger sich nicht mehr stark vermehren können: Für zahlreiche Viren und Bakterien sind hohe Körpertemperaturen ungünstig.
Förderung von Heilungsprozessen
Gewisse zur Heilung beitragende biochemische Prozesse im Körper, wie beispielsweise die Gewebereparatur, werden durch eine höhere Körpertemperatur beschleunigt.
Reaktion auf Erkrankungen, Verletzungen oder Stress
Neben Infektionen können auch viele weitere Zustände zu Fieber führen, unter anderem:
- Krebs
- Autoimmunerkrankungen
- Hitzestau (Hyperthermie)
- Stoffwechselstörungen
Externe Einflüsse
Eine Reihe von externen Einflüssen kann ebenfalls zu Fieber führen:
- Kontakt mit Verunreinigungen oder giftigen Stoffen
- Allergische Reaktionen, vor allem auf Insektenstiche und Medikamente
- Nebenwirkungen von Medikamenten (medikamentöses Fieber)
- Stress
Wann sollte man mit Fieber zum Arzt gehen?
Obwohl Fieber meist harmlos ist, sollten Betroffene besondere Vorsicht beim Auftreten von Begleitsymptomen sowie langanhaltendem oder hohem Fieber walten lassen. In solchen Fällen gilt es zeitnah ärztlichen Rat einzuholen. Sofort ärztlich abklären lassen sollte man Fieber unter anderem, wenn eines oder mehrere der folgenden Symptome auftreten:
- Temperatur über 40°C
- andauerndes leichtes Fieber über Wochen
- starkes Erbrechen
- schwerer Durchfall
- Benommenheit
- Verwirrtheit
- Herzrasen oder Atemnot
- Ausbleibende Harnausscheidung
- Unklare Hautausschläge oder Gelenkschwellungen
- Starke Kopfschmerzen oder Nackensteife
- Fieberkrampf (äussert sich durch Bewusstseinsverlust, vor allem bei Kleinkindern)
- Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva)
Wichtig: Auch Fieber bei Babys oder Immungeschwächten sowie Fieber nach einer Reise in tropische Länder sollte immer sofort abgeklärt werden. Zu beachten ist ausserdem, dass die Höhe des Fiebers nicht immer Aufschluss über den Schweregrad einer Erkrankung gibt. Begleitsymptome spielen deswegen eine zentrale Rolle bei der Beurteilung einer Erkrankung.
Wie lange darf Fieber dauern?
Fieber bei Babys: Bei Säuglingen bis drei Monate sollte bei Fieber zur Sicherheit sofort eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt zur Abklärung des Symptoms hinzugezogen werden.
Fieber bei Kleinkindern: Ein Kleinkind, das älter als drei Monate und jünger als zwei Jahre ist, sollte bei Fieber, das länger als einen Tag anhält, ärztlich untersucht werden.
Fieber bei Kindern (>2 Jahre) und Erwachsenen: Für den Fall, dass keines der oben aufgeführten Begleitsymptome auftritt und der Allgemeinzustand älterer Kinder (> 2 Jahre) und erwachsener Personen nicht stark eingeschränkt ist, sollte eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden, wenn das Fieber über drei bis vier Tage anhält. Darüber hinaus ist eine ärztliche Untersuchung angezeigt, wenn Betroffene nicht mehr genügend Flüssigkeit aufnehmen können oder sich sehr erschöpft fühlen.
Ab wann hat man Fieber?
Fieber bei Erwachsenen: Als Normalwert gilt eine Körpertemperatur von 36,5 °C bis 37,4 °C
Bei 37,5 °C bis 38,0 °C ist die Temperatur erhöht. Als Fieber gilt bei Erwachsenen eine Körpertemperatur von über 38,0 °C. Bei über 39 °C liegt hohes Fieber und ab 40 °C sehr hohes Fieber (Hyperpyrexie) vor.
Fieber bei Kindern: Bei Kindern liegt eine erhöhte Temperatur bis 38,4 °C vor. Ab 38,5 °C ist es Fieber.
Fieber bei Babys: Bei Säuglingen unter drei Monaten liegt Fieber ab 38 °C vor. Säuglinge unter drei Monaten sollten bei Fieber unverzüglich ärztlich untersucht werden.
Wie misst man Fieber richtig?
Eine Messung der Körpertemperatur kann im Ohr, unter der Zunge, in der Achsel, an der Stirn oder rektal erfolgen. Gemessen wird die Temperatur, je nach Ort der Wahl, mit einem digitalen Thermometer, einem Ausdehnungsthermometer, Ohrthermometer oder Stirnthermometer.
Digitale Thermometer
Digitale Thermometer gelten als die zuverlässigste und praktischste Methode zur Fiebermessung. Besonders genau ist die rektale Messung im Po (rektal) sowie die Messung im Ohr. Die Temperatur wird innerhalb von 30 bis 60 Sekunden gemessen und im Anschluss angezeigt.
Ausdehnungsthermometer
Ausdehnungsthermometer sind ebenfalls sehr zuverlässig, das Ablesen der Skala braucht dafür etwas Übung. Im Inneren dieser Thermometer befindet sich eine farbige Flüssigkeit, welche sich bei Körperwärme ausdehnt. Eine Messung dauert etwa fünf Minuten.
Ohrthermometer
Ohrthermometer messen die Wärmestrahlung des Trommelfells mithilfe eines Infrarotsensors. Sie liefern innerhalb weniger Sekunden ein Ergebnis und garantieren eine rasche und unkomplizierte Messung. Bei einer Mittelohrenentzündung sollte kein Ohrthermometer verwendet werden.
Stirnthermometer
Stirnthermometer messen die Temperatur an der Stirn oder Schläfe per Infrarot. Sie sind besonders angenehm in der Anwendung. Allerdings können die Werte ungenauer sein als bei anderen Methoden, besonders bei kontaktlosen Geräten.
Behandlung
Da Fieber ein Teil der Immunabwehr ist, muss es nicht immer gesenkt werden. Ab einer Temperatur von 39 °C sind fiebersenkende Massnahmen grundsätzlich empfehlenswert. Bei Menschen mit Vorerkrankungen, Kindern und Betroffenen, die das Fieber als sehr belastend empfinden, können auch schon bei tieferen Körpertemperaturen entsprechende Massnahmen ergriffen werden. Fieber lässt sich einerseits durch Medikamente aber auch durch Hausmittel senken.
Fiebersenkend wirkende Medikamente
Zu den bewährten fiebersenkenden Mitteln zählen Ibuprofen und Paracetamol. Der grosse Vorteil dieser Wirkstoffe ist, dass sie auch Begleitsymptome wie etwa Glieder- und Kopfschmerzen lindern können.
Hausmittel gegen Fieber
Nicht nur Medikamente, sondern auch altbewährte Hausmittel können zur Senkung der Körpertemperatur genutzt werden. Folgende Hausmittel können helfen:
- Viel trinken: Genügend Flüssigkeitszufuhr in Form von Tee und Wasser hilft dabei, dem durch vermehrtes Schwitzen bedingten Flüssigkeitsverlust entgegenzuwirken. Auch verdünnte Säfte und Bouillon können hilfreich sein. Fiebersenkend wirken ausserdem Lindenblütentee, Ingwertee oder ein Glas Wasser mit etwas Honig sowie zwei Esslöffeln Apfelessig.
- Bettruhe (bei eher kühler Zimmertemperatur und wenig Licht): Sich auszuruhen und Bettruhe ermöglichen dem Körper, sich effizient zu regenerieren. Betroffene sollten auf anstrengende Tätigkeiten verzichten und sich genügend Schlaf gönnen, um sich zu erholen.
- Ein lauwarmes Bad nehmen: Bei nur leicht erhöhter Temperatur können lauwarme Bäder Fieber senken. Heisse Bäder sind aber zu vermeiden, denn sie belasten in dieser Situation Körper und Kreislauf und können dazu führen, dass die Körpertemperatur noch weiter ansteigt.
- Wadenwickel: Wadenwickel senken die Körpertemperatur sanft. Hierfür werden zwei Küchen- oder Handtücher in ein Liter lauwarmes Wasser mit zwei Esslöffeln Essig oder Zitronensaft getunkt, ausgewrungen und auf die Waden aufgelegt. Darüber sind trockene Handtücher um jede Wade zu wickeln. Darauf folgt eine 15-minütige Ruhezeit im Bett. Wadenwickel sollten nur angewendet werden, wenn Füsse und Beine der fiebernden Person warm sind. Sinkt die Temperatur nicht, kann die Prozedur wiederholt werden.
Prävention
Da Fieber selbst keine Krankheit sondern eine Reaktion auf Infektionen und andere Belastungen ist, lässt sich vor allem indirekt vorbeugen. Beispielsweise indem das Immunsystem gestärkt wird und Infektionen vermieden werden. Dazu gehören regelmässiges und gründliches Händewaschen, besonders nach dem Kontakt mit vielen Menschen oder vor dem Essen, sowie das Meiden von engem Kontakt zu erkrankten Personen.
Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmässige Bewegung unterstützen zusätzlich die körpereigene Abwehr. Auch Impfungen können dabei helfen, bestimmte Infektionskrankheiten und damit oft auch Fieber als Begleitsymptom zu verhindern.
Wie lange sollte man bei Fieber zu Hause bleiben?
Bei Fieber sollte man zu Hause bleiben, bis die Temperatur wieder mindestens 24 Stunden ohne fiebersenkende Mittel im Normalbereich liegt. Durch Ruhe in den eigenen vier Wänden wird die Genesung gefördert und andere laufen nicht Gefahr, sich (je nach zugrundeliegender Erkrankung) anzustecken.
Wie oft sollte die Temperatur bei Fieber gemessen werden?
Bei Fieber empfiehlt es sich, die Temperatur zwei- bis dreimal täglich zu messen, um den Temperaturverlauf im Blick zu behalten. Werden fiebersenkende Medikamente eingenommen, sollte die Temperatur erst nach 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme gemessen werden.
Wieso tritt Schüttelfrost bei Fieber auf?
Schüttelfrost entsteht, weil der Körper seinen Sollwert der Körpertemperatur zur Bekämpfung von Krankheitserregern erhöht. Durch Muskelzittern wird zusätzliche Wärme erzeugt, damit die neue Zieltemperatur schneller erreicht werden kann. Bei Erreichung des Sollwerts lässt das Frieren nach.